
Drei Tage nach der Auflösung der Verlobung wurde die Realität des Lebens unter dem direkten Schutz von Luca Moretti auf schmerzhafte Weise deutlich.
Ich hatte meine Sachen in eine wunderschöne, sonnendurchflutete Suite im zweiten Stock gegenüber von Isabellas Schlafzimmer gebracht. Das Zimmer hatte bodentiefe Fenster mit Blick auf die gepflegten Gärten, ein eigenes Badezimmer mit freistehender Badewanne und eine kleine Bibliothek voller Klassiker. Es war größer als die gesamte Wohnung, die ich mit meiner Mutter und Leo teilte.
Jeder Morgen begann gleich. Isabella und ich saßen am Erkerfenster in der Frühstücksecke, übten ihren Wortschatz, lasen ihr vor, während sie Lippenlesen lernte, und führten lebhafte, fröhliche Gespräche in amerikanischer Gebärdensprache. Ihr Lachen, das sie einst unterdrückt und ängstlich gelacht hatte, kehrte langsam in die Flure zurück wie Vogelgesang nach einem harten Winter.
Luca kam immer zu uns, wenn es sein Zeitplan zuließ. Ihn mit seiner Tochter interagieren zu sehen, war ein surrealer Widerspruch. Eines Nachmittags sah ich ihn auf der Terrasse stehen, wie er in rasendem Sizilianisch in ein Prepaid-Handy schrie. Sein Gesicht war von solch furchterregender Wut verzerrt, dass die beiden bewaffneten Wachen am Eingang entsetzt zurückwichen.
Zehn Sekunden später legte er auf, zerquetschte das Telefon unter dem Absatz seines Lederstiefels, drehte sich in Richtung Wohnzimmer um und setzte sich im Schneidersitz auf den Teppich, um mit Isabella eine Lego-Burg zu bauen.
„Claire“, sagte er am vierten Morgen und lehnte sich an den Türrahmen des Arbeitszimmers, während Isabella eifrig eine Skizze der Chicagoer Skyline ausmalte.
“Ja, Herr Moretti?”
„Luca“, korrigierte er mit leiser Stimme. „Wenn wir in diesem Haus sind, nennst du mich Luca.“
Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. „Luca. Was ist los?“
Er deutete mit dem Kopf in Richtung der gegenüberliegenden Privatbibliothek. „Ein Wort, bitte.“
Ich habe Isabella zu verstehen gegeben: *Bin gleich wieder da, Peanut. Mal weiter.*
Sie strahlte und zeigte mir mit beiden Händen einen Daumen nach oben, völlig vertieft in ihre Zeichnung.
Ich überquerte den Flur und betrat die Bibliothek. Die schweren Mahagonitüren schlossen sich hinter Luca mit einem deutlichen Klicken.
Nahe des antiken Kamins stand Marco, Lucas wichtigster Vollstrecker und Berater. Marco war ein hochgewachsener Mann Ende vierzig mit gebrochener Nase, ergrauten Schläfen und kalten, leblosen Augen, die schon viel zu viel Gewalt gesehen hatten. Unter dem Arm trug er eine Manilamappe.
„Haben die Bellinis etwas unternommen?“, fragte ich, bevor ich mich beherrschen konnte. Die Spannung zwischen den beiden Männern war greifbar.
Luca lehnte sich mit verschränkten Armen an die Kante seines massiven Schreibtisches. „Du bist scharfsinnig, Claire. Das ist gut. In dieser Familie bringt dich Ignoranz schneller um als eine Kugel.“
Marco opened the folder and slid three glossy photographs onto the polished wood.
I looked down. My stomach plummeted through the floor.
The photographs were surveillance shots taken from a distance with a telephoto lens. The first showed my mother walking out of our neighborhood grocery store in Oak Park. The second showed my twelve-year-old brother, Leo, sitting on the bench outside his specialized deaf academy, his backpack between his knees.
The third showed Vanessa Bellini sitting in the back of a black Mercedes, talking to an older, silver-haired man whose face looked like a mask of cracked granite.
“Don Antonio Bellini,” Luca said, his voice flat and deadly. “Vanessa’s father. He runs the distribution docks on the river and controls three council seats. He didn’t take kindly to his daughter being returned to his doorstep with a broken engagement ring and a room full of witnesses to her disgrace.”
“Why are they watching my family?” My voice trembled. Terror, ice-cold and paralyzing, seized my chest. “Leo… my mother… they have nothing to do with this! I was the one who spoke up! If Vanessa wants revenge, she should come after me!”
Luca moved before I could blink. In two strides, he closed the distance between us. His large hands came down firmly on my upper arms, anchoring me. The heat of his palms burned through the fabric of my sweater.
“Listen to me, Claire,” he commanded, his hazel eyes pinning mine. “Look at me.”
I forced myself to meet his fierce, unyielding gaze.
“Nothing is going to happen to your brother. Nothing is going to happen to your mother. Do you understand me?”
“How can you promise that?” I choked out, tears blurring my vision. “You don’t know the Bellinis like you think you do! Vanessa is venomous. She told Isabella that you wanted her gone! A woman who can say that to a deaf nine-year-old is capable of anything!”
“Vanessa is a spoiled, vindictive child who uses poison because she doesn’t have the stomach for steel,” Luca growled. “Her father, however, understands the rules of the city. He thinks he can find leverage on me by targeting the woman who brought down his daughter’s grand alliance.”