Er zog ein kleines, elegantes Visitenkartenetui aus der Innentasche seines Krankenhaushemdes, zog eine gold geprägte Karte heraus und drückte sie dem jungen Mann in die Hand.

„Ruf diese Nummer morgen früh um acht Uhr an. Meine Assistentin Miss Gable wird alles Weitere veranlassen. Und sorge dafür, dass man dir eine neue Uniform bringt – eine, die diesem Namen auch wirklich Ehre macht.“

Thomas nahm die Karte entgegen, seine Finger berührten das schwere Papier, und zum ersten Mal an diesem Tag schien die Last der Demütigung von seinen Schultern zu fallen.

„V… vielen Dank, Mr. Vance. Ich werde Sie nicht enttäuschen“, flüsterte er, während eine einzelne Träne, diesmal der Erlekucterung und des Stolzes, den Weg über seine Wange fand.

Courtney, die realisiert hatte, dass sie in dieser Sekunde nicht nur ihr gesamtes Erbe, sondern auch ihren gesamten sozialen Status innerhalb von Sekunden verloren hatte, brach in hemmungslose Hysterie aus.

„Das ist ein Albtraum! Das ist ein einziger schlechter Albtraum! Du kannst mich nicht einfach so fallen lassen für einen verdammten Kellner der Lüfte!“, schrie sie und warf sich mit geballten Fäusten gegen den alten Mann, wie ein kleines Kind, das einen Wutanfall bekam.

Doch bevor sie Arthur auch nur berühren konnte, öffneten sich die schweren Doppeltüren der Suite mit einem heftigen Ruck, und zwei uniformierte Sicherheitsbeamte des Krankenhauses, begleitet von zwei Bundespolizisten in Zivil, stürmten in den Raum.

„Fröschlein Courtney Sterling?“, fragte der vordere Beamte mit einer kalten, geschäftsmäßigen Tonlage, während er ein offizielles Dokument aus seiner Mappe zog.

Courtney erstarrte mitten in ihrer Wut, ihre Arme sanken schlaff an ihre Seiten, und sie starrte die Polizisten an, als kämen sie von einem anderen Stern.

„Ich… ich bin Courtney Sterling! Mein Vater ist… mein Vater ist der Vorstand…!“, stotterte sie panisch.

„Ihr Vater wurde vor genau zwei Minuten in seinem Penthouse in Manhattan festgenommen, Miss Sterling“, unterbrach sie der Beamte unerbittlich. „Ihnen wird hiermit offiziell die Beihilfe zur gewerbsmäßigen Unterschlagung, Geldwäsche und Behinderung der Justiz vorgeworfen. Sie haben das Recht zu schweigen.“

Das Klicken der kalten Stahlhandschellen, die sich um Courtneys zarte, mit Diamantringen besetzte Handgelenke legten, schnitt wie ein elektrischer Funke durch die angespannte Stille der Luxussuite.

„Nein! Nein, fass mich nicht an! Lass mich sofort los! Papi! Papi, hilf mir!“, schrie sie, während die Beamten sie unnachgiebig packten und Richtung Ausgang zerrten, wobei ihre teuren Louboutins über den polierten Boden schrammten.

Ihr schrilles Flehen verhallte langsam im langen, sterilen Gang des VIP-Flügels, bis schließlich nur noch das monotone, rhythmische Piepen der medizinischen Geräte im Raum zurückblieb.

Arthur Vance atmete tief aus, schloss für einen kurzen Moment die Augen, um die Anspannung abzubauen, und wandte sich dann wieder Thomas Miller zu, der noch immer ungläubig an derselben Stelle stand.

„Siehst du, Thomas?“, sagte Arthur mit ruhiger, gefasster Stimme, während draußen der sintflutartige Regen unvermindert gegen die Fenster peitschte. „Manchmal muss ein Sturm erst alles niederbrennen, damit man das wahre Fundament sehen kann, auf dem man steht.“

Thomas nickte langsam, ein neuer, fester Ausdruck der Entschlossenheit trat in seine zuvor müden Augen.

„Ich bin bereit für die Arbeit, Mr. Vance“, antwortete der junge Mann mit klarer, stabiler Stimme.

Arthur nickte anerkennend, drehte sich um und blickte hinaus in die dunkle, stürmische Nacht von Metropolis, in dem sich die Lichter der Stadt wie ein endloses Netz aus Möglichkeiten erstreckten – bereit für eine völlig neue Ära.