Meine Finger schwebten über dem Bildschirm. Mein Herz raste, ein heißer Adrenalinschub durchflutete meine Adern. Jeder Instinkt schrie danach, zu antworten, das Foto des im Dreck verschmierten Kuchens zu posten, dreihundert gemeinsamen Bekannten zu erzählen, dass diese erwachsene Frau aus kleinlicher, narzisstischer Eitelkeit ein achtjähriges Kind ins Visier genommen hatte.

Ich schaute hinüber ins Wohnzimmer.

Sadie lugte aus ihrer Deckenburg hervor, hielt ihren Stoffhasen fest und beobachtete mich mit großen, ängstlichen Augen.

„Mama?“, rief sie leise. „Ist es Oma?“

Ich schaute auf das Telefon. Dann drückte ich den Ein-/Ausschalter, hielt ihn gedrückt und wischte, um das Gerät vollständig auszuschalten.

Der Bildschirm wurde schwarz.

„Nein, mein Schatz“, sagte ich, ging zu der Spielburg und kroch mit ihr hinein, unter dem warmen Schein der Lichterkette, die wir vom Bücherregal gehängt hatten. „Da ist niemand.“

Ich zog die Decke bis zum Kinn hoch und ließ sie ihren Kopf an meiner Brust betten. Doch während ich ihrem langsamen, rhythmischen Atem lauschte, der sie schließlich in den Schlaf gleiten ließ, starrte ich in den dunklen Raum, meine Gedanken rasten.

Travis bluffte nicht. Zweitausend Dollar entsprachen zwei Monatsraten meiner Hypothek. Davon bekamen wir Sadies Winterkleidung, ihre Zahnuntersuchung, ihre Schulsachen und unseren Notfallvorrat an Lebensmitteln. Ich war Glaser; ich arbeitete auf Provisionsbasis und mit Stundenlohn, schlug mich mit Fleiß und 70-Stunden-Wochen gerade so durch.

Wenn Travis mich vor Gericht bringen würde, wenn Vanessa Anzeige erstatten würde, hätte ich nicht das Geld, um mich dagegen zu wehren.

Und tief in meinem Inneren wusste ich, dass Vanessa sich nicht mit einer Ersatztasche zufriedengeben würde. Sie witterte Morgenluft. Sie hatte die ganze Familie gegen mich mobilisiert, überzeugt davon, dass ich ein labiler, gewalttätiger Wahnsinniger war.

Ich betrachtete das friedliche Gesicht meiner Tochter im sanften Licht.

*Sollen sie doch kommen*, dachte ich, meine Kiefermuskeln verkrampften sich. *Sollen sie alles mitbringen, was sie haben.*

Am Montagmorgen um sechs Uhr betrug die Temperatur auf dem Dach des neuen Ärztezentrums in der Innenstadt zwölf Grad unter dem Gefrierpunkt.

Der Wind fegte wie ein offenes Rasiermesser von den Kalksteinkämmen der Black Hills herab, schnitt durch meine gefütterte Carhartt-Jacke und biss mir in die Wangen. Meine behandschuhten Hände umklammerten die beiden Saugnäpfe, die an einer drei mal zwei Meter großen Doppelglasscheibe befestigt waren.

„Ruhig, Rebecca! Schwenk sie zwei Zoll nach Backbord!“, rief Mack, mein Vorarbeiter, dessen Stimme durch die schwere Wollsturmhaube gedämpft war. „Pass auf die Ecke auf! Wenn du den Stahlträger berührst, ist die ganze Platte hinüber!“

“Ich hab’s”, brummte ich zwischen den Zähnen.

Jeder Muskel in meinem Rücken, meinen Schultern und meiner Körpermitte schmerzte, als ich das Gewicht der massiven Glasscheibe ausbalancierte. Fünfzehn Meter über dem Betonparkplatz hing die Scheibe an einem Kran und fing den brutalen Morgenwind wie ein Segel ein. Eine falsche Gewichtsverlagerung, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und dreitausend Dollar teures Strukturglas würde in zehntausend rasiermesserscharfe Splitter zerspringen.

Ich stemmte meine Stahlkappenschuhe gegen das Gerüst, passte meine Hebelwirkung an und ließ das Paneel mit einem dumpfen, befriedigenden *Klack* in die Aluminium-Halteschiene gleiten.

„Frei!“, brüllte Mack und verriegelte die mechanischen Klemmen. „Gut gemacht, Mercer! Verdammt, du hast heute eiskalte Adern.“

I detached my suction lifters and stepped back onto the safety platform, my breath coming in ragged white plumes. My hands were shaking, not from the cold, but from the bone-deep exhaustion of having slept less than four hours a night since Saturday.

“Take ten,” Mack said, wiping frost from his eyebrows as he offered me a battered thermos of black coffee. “You look like you went twelve rounds with a snowplow, Bec. Everything okay at home? How was Sadie’s birthday?”

I took the steaming plastic cup, letting the heat seep through my thick leather gloves. The urge to spill the whole humiliating, toxic mess onto Mack was overwhelming. Mack was sixty, a blunt, no-nonsense veteran who had hired me when every other commercial glass outfit in the state laughed at a five-foot-five woman applying for heavy installation. He was more of a father to me than Richard Mercer had ever been.

“Party went off the rails,” I muttered, staring out over the frozen gray rooftops of Rapid City. “Family drama.”

Mack snorted, leaning against the scaffolding railing. “Family. Can’t shoot ’em, can’t trade ’em in. What happened?”

“Vanessa happened,” I said, taking a bitter sip of the coffee. “She deliberately smashed Sadie’s cake. So I threw her two-thousand-dollar Louis Vuitton bag into the fire pit.”

Mack froze. The thermos paused halfway to his mouth. He blinked at me through his safety goggles, his craggy face completely blank for three long seconds.

Then, he threw his head back and let out a laugh so loud it echoed off the steel girders of the unfinished building.