Kapitel 1: DAS MÄDCHEN, VON DEM NIEMAND GEDACHT HÄTTE, SICH ZU WEHREN
Bevor ich überhaupt begreifen konnte, was geschah, packten mich jemandes Finger fester an meinem Pferdeschwanz und rissen meinen Kopf ruckartig nach hinten.
Regenwasser rann mir über das Gesicht, während Gelächter über den Schulhof hallte.

Ich besuchte diese mir unbekannte High School nun seit genau vierzehn Tagen. Zwei Wochen voller verwirrender Flure, leiser Gespräche, verstohlener Blicke und dem verzweifelten Versuch, mich selbst davon zu überzeugen, dass der Neuanfang gar nicht so schwer war, wie alle behauptet hatten.
Und doch stand ich da, mitten in einem regennassen Innenhof, umringt von Volleyballspielerinnen der Universitätsmannschaft, während deren Kapitänin meine Haare festhielt, als wäre ich etwas, das sie nach Belieben mit sich herumschleppen könnte.
Ihr Name war Ashley.
An dieser Schule brauchte Ashley keine Vorstellung.
Sie war siebzehn, groß genug, um fast jedes Mädchen in unserer Jahrgangsstufe zu überragen, und hatte den muskulösen Körperbau einer Athletin, die jahrelang auf dem höchsten Niveau ihrer Schule Wettkämpfe bestritten hatte.
Ihr blonder Pferdeschwanz war stets straff zurückgebunden, ihre marineblaue Collegejacke schien permanent an ihren Schultern festzukleben, und sie schritt mit einem Selbstbewusstsein durch die Flure, das andere Schüler schon zur Seite rücken ließ, bevor sie sie überhaupt erreichte.
Ashley war nicht nur beliebt.
Sie hatte fast alle im Gebäude davon überzeugt, dass eine Herausforderung an sie Konsequenzen haben würde.
Ich war fünfzehn, kaum 1,50 Meter groß und hatte immer noch Mühe, mich daran zu erinnern, welche Treppen zu meinen Klassenzimmern führten.
Mein grauer Kapuzenpulli war an den Schultern bereits durchnässt, meine Jeans waren an den Knöcheln feucht, und mein Rucksack hing unbeholfen an einem Arm.
Hätte uns jemand nebeneinander fotografiert, hätte der Unterschied fast lächerlich ausgesehen.
Ashley sah so aus, als wäre sie bereit, in einem College-Volleyballteam mitzuspielen.
Ich sah aus wie ein Mittelschüler, der sich im falschen Gebäude verirrt hatte.
Vielleicht war sie sich deshalb so sicher, dass ich keinen Widerstand leisten würde.
„WER HAT DIR ERLAUBT, DASS DU AN UNSEREM TISCH SITZEN DARFST?“, schrie sie.
Ihre Stimme durchdrang den strömenden Regen und war laut genug, dass sich die Schüler, die unter dem überdachten Gehweg Schutz suchten, zu uns umdrehten.
Instinktiv griff ich hinter meinen Kopf, um ihr Handgelenk zu finden, ohne dabei an meinen eigenen Haaren zu ziehen.
“Bitte lass los”, sagte ich.
Ashley ballte die Finger zur Faust.
“ANTWORTE MIR!”
Ein stechender Schmerz breitete sich auf meiner Kopfhaut aus und trieb mir unwillkürlich die Tränen in die Augen.
Nicht, weil ich weinen wollte. Nicht, weil mich ihr Geschrei erschreckt hätte. Sondern weil so ein heftiges Ziehen an den Haaren eine körperliche Reaktion auslöst, die man nicht vollständig kontrollieren kann.
Ich schloss für eine halbe Sekunde die Augen.
Und in dieser kurzen Stille zwischen den Atemzügen konnte ich fast die Stimme meiner Großmutter hören.
„Ruhe zu haben bedeutet nicht, dass man keine Angst hat, Liebling. Es bedeutet, dass die Angst nicht deine Entscheidungen bestimmt.“
She had said those words so many times that I could practically hear the familiar, slightly rough warmth in her voice, even over the sound of the rain.
I opened my eyes again.
Ashley still held my ponytail.
Her friends were still laughing.
And the students nearby were already taking phones from their pockets.
To understand why I ended up in that courtyard, you need to know what happened during the two weeks leading up to it.
When my mother first told me we were moving, I genuinely thought she was joking.
We had lived in the same town for nearly my entire childhood.
I knew every cracked section of sidewalk near our old house, every teacher who assigned too much homework, and every friend whose parents allowed us to stay up watching movies long after we were supposed to be asleep.
Then my mother accepted a new job, and the comfortable little world I knew began to change.
I tried my best to be mature about it.
I told her I understood. I helped pack boxes, carried things out of the house, and said goodbye to my friends without making a scene.
But the night before we left, I sat cross-legged on the bare floor of my bedroom and cried into my sweatshirt.
The house itself wasn’t what I would miss the most.
It was the simple feeling of knowing I belonged somewhere.
At my old school, I never had to wonder where I would sit during lunch.
I didn’t worry about whether someone would recognize me in the hallway.
I never had to rehearse introducing myself or wonder whether strangers were laughing at something I had done.
I had friends.
I had familiar routines.
I had a place where I belonged.
And one move seemed to erase all of it overnight.
The one comforting part of our move was that I would finally be living close to my grandmother.