
Die Stimme, die aus dem kleinen Aufnahmegerät kam, klang nicht nach der eines Mannes, dem es um Gerechtigkeit ging.
Es klang nach jemandem, der bereits entschieden hatte, wen er begraben wollte.
„Mercado wird nicht unterschreiben“, sagte Kommandant Esteban Rivas mit eiskalter Ruhe. „Und wenn er nicht unterschreibt, wird Castillo die Schuld auf sich nehmen.“
Ein zweiter Mann stieß ein leises Lachen aus.
—Gabriel? Der arme Kerl vertraut sogar dem Mechaniker, der ihm die Zündkerzen klaut.
Gabriel Castillo spürte, wie die Luft aus dem Besucherraum verschwand.
Ich kannte diese zweite Stimme.
Ich kannte sie nicht nur.
Ich hatte es zwanzig Jahre lang bei Familienfeiern, Taufen, Grillfesten und Beerdigungen gehört.
Es war die Stimme von Ramiro Salcedo , Carmens älterem Bruder und seiner verstorbenen Frau.
Sein Schwager.
Der Mann, der Lupita während des Prozesses getröstet hatte.
Der Mann, der einen Teil von Carmens Beerdigung bezahlt hatte.
Der Mann, der das Mädchen in den letzten zwei Jahren jeden Sonntag besucht und ihr Dulce de Leche mitgebracht hatte.
Gabriel blickte bleich auf.
Das kann einfach nicht sein…
Die Aufnahme wurde fortgesetzt.
„Ich kümmere mich um die Jacke“, sagte Rivas. „Sorge dafür, dass Daniel allein ist.“
—Und das Messer?
—Mit Castillos Fingerabdrücken. Er hat ihn heute schon erwischt, als sie das Getriebe des Streifenwagens reparierten.
Gefängnisdirektor Roberto Medina zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Die beiden Wachen standen regungslos an der Tür. Die Sozialarbeiterin hielt sich die Hand vor den Mund. Lupita sah ihren Vater an und drückte das offene Kaninchen an ihre Brust, als wäre dieses verletzte Spielzeug das einzige Wesen auf der Welt, das verstand, was vor sich ging.
Ramiros Stimme war wieder zu hören.
—Und Carmen?
Es herrschte Stille.
Darauf antwortete Rivas:
—Überlasst Carmen mir. Wenn sie Daniel töten und Gabriel einsperren, wird sie zu sehr mit Weinen beschäftigt sein, um Fragen zu stellen.
Medina stoppte die Aufnahme.
Der Raum war in eine so tiefe Stille gehüllt, dass man das Summen der Leuchtstoffröhre hören konnte.
Gabriel spürte, wie sich die Ketten in seine Handgelenke schnitten.
„Mach weiter“, sagte er.
Der Gefängnisdirektor sah ihn an.
—Castillo…
Folgen .
Medina drückte den Knopf.
Plötzlich ertönte Daniel Mercados Stimme, näher, nervöser.
—Sie reden, als wäre ich nicht da.
Es gab einen Knall.
Ein Keuchen.
Dann Rivas’ Stimme:
—Weil du bereits tot bist, Daniel.
Die Aufnahme endete mit einem scharfen Geräusch und schneller Atmung.
Der Bildschirm kehrte zum Anfang zurück.
Bis zur Hinrichtung verblieben noch fünf Stunden und zweiunddreißig Minuten .
Der Beamte, der mit der Botschaft des Gouverneurs hereingekommen war, schien nicht zu wissen, wohin er seine Hände legen sollte.
—Der Gefängnisdirektor… das Büro fragt an, ob die Verlegung fortgesetzt wird.
Medina nahm den Tonbandrekorder.
—Sag ihnen nein.
—Sir, der Befehl…
—Diles que apareció evidencia nueva relacionada con una conspiración policial y que, si alguien intenta llevarse a Castillo de esta sala, tendrá que pasar sobre mí.
El custodio tragó saliva y salió corriendo.
Gabriel volteó hacia Lupita.
—¿Dónde encontraste esto, mi amor?
La niña pasó los dedos por la oreja abierta del conejo.
—En la casa de la abuela.
—¿Dónde exactamente?
—En la caja de mamá.
La trabajadora social se agachó junto a ella.
—Lupita, necesito que nos cuentes todo desde el principio.
La niña miró a Gabriel, esperando permiso.
Él asintió.
—Cuéntales, mi’ja. No tengas miedo.
Lupita respiró hondo.
—Ayer mi abuela se enfermó y la llevaron al hospital. Yo estaba buscando una foto para llevarle. Abrí el ropero de mamá, el que nadie toca. Había una caja con vestidos y cartas. Hasta abajo estaba el conejo.
—¿Nunca lo habías visto? —preguntó Medina.
—Sí. Era mío cuando estaba chiquita. Pero mamá me lo quitó antes de morir. Me dijo que no lo abriera hasta que alguien quisiera matar a mi papá.
Gabriel sintió un golpe en el pecho.
—¿Te dijo eso?
—Sí. Pensé que hablaba de alguien malo que iba a venir a la casa.
Lupita se abrazó más fuerte al peluche.
—Anoche escuché a mi abuela decirle al tío Ramiro por teléfono que hoy te iban a matar. Entonces busqué unas tijeras, pero me dio miedo romperlo. Sólo apreté la oreja y sentí algo duro. La abrí poquito. Vi la grabadora y la cosí otra vez.
Medina frunció el ceño.
—¿Tú cosiste la oreja?
Lupita negó.
—Mamá ya la había cosido. Yo sólo cerré lo que abrí.
Gabriel cerró los ojos.
Carmen había sabido.
Carmen había tenido la prueba.
Y, sin embargo, nunca la presentó.
Aquella idea le atravesó el alma como un cuchillo nuevo.
—¿Por qué no la entregó? —murmuró.
La respuesta llegó desde la puerta.
—Porque sabía que la iban a matar.
Todos voltearon.
La mujer que acababa de entrar era alta, de cabello canoso recogido en un chongo y rostro severo. Vestía pantalón oscuro, blusa blanca y un saco azul marino. Dos agentes federales venían detrás de ella.