Und die Geringste im ganzen Haus hatte ihm diesen Grund genannt.
Der Arzt behielt Lucas drei Stunden lang in der Privatklinik. Seine Atmung stabilisierte sich, doch der Vorfall hatte ihn erschöpft und wütend auf sich selbst gemacht, weil er vor seinen eigenen Mitarbeitern zusammengebrochen war. Jahrelang hatte er darauf geachtet, dass niemand seine Schwäche bemerkte. Nun hatte ihn ein sechsjähriges Mädchen im rosa Schlafanzug in seiner größten Hilflosigkeit gesehen, und irgendwie störte ihn das weniger als der Gedanke, dass ihn jemand absichtlich in diese Lage gebracht hatte.
Dr. Miriam Shaw stand neben der Untersuchungsliege und betrachtete den Monitor. Sie behandelte Lucas seit der Brandnacht drei Jahre zuvor, als die Rauchschäden seine Lunge anfälliger gemacht hatten als zuvor.
„Sie hatten Glück“, sagte sie. „Der Angriff war heftig. Wenn das Kind nicht schnell reagiert hätte oder das Ärzteteam ein paar Minuten später eingetroffen wäre, würden wir jetzt vielleicht ein ganz anderes Gespräch führen.“
Lucas blickte auf den leeren Stuhl an der Wand. Lily war mit ihrer Mutter in die Personalküche gebracht worden, wo man ihr eine Decke und eine Tasse warme Milch besorgt hatte. Sie hatte zweimal gefragt, ob er tot sei. Grace hatte sich beide Male entschuldigt.
„War mein Inhalator leer?“, fragte Lucas.
„Der Zähler stand auf Null.“
„Ich habe es heute Morgen ausgetauscht.“
„Dann hat Ihnen vielleicht jemand das falsche Medikament gegeben, oder die Ersatzpackung wurde nicht richtig befüllt. Ich möchte nicht spekulieren, bis die Apotheke das überprüft hat.“
„Überprüfen Sie es jetzt.“
Miriam hielt seinem Blick stand. „Das werde ich. Und ich möchte, dass du noch etwas verstehst. Das Kind hat ihre Notfallmedikamente selbst an dir angewendet. Das war mutig, aber es ist kein Ersatz für eine Notfallbehandlung. Wenn sie Asthma hat, braucht sie einen klaren Notfallplan und zuverlässigen Zugang zu ihren verschriebenen Medikamenten.“
“Ich weiß.”
„Wirklich? Denn die Hälfte Ihrer Mitarbeiter schien sich mehr Sorgen um die Sicherheitslücke zu machen als um das kleine Mädchen, das gerade ihre eigenen Medikamente benutzt hatte, um einem Fremden zu helfen.“
Lucas sagte nichts. Er wusste, dass der Arzt Recht hatte.
Als sie gegangen war, kam Elias mit einem Tablet herein. Der Sicherheitschef war Ende vierzig, breitschultrig und wählte seine Worte mit Bedacht. Anders als Victor versuchte er nie, schlechte Nachrichten mit einem Lächeln abzumildern.
„Die Aufnahmen aus dem Flur werden auf eine externe Festplatte kopiert“, sagte Elias. „Die Kamera, die dem Arbeitszimmer am nächsten liegt, zeigt, wie Sie um 20:17 Uhr hinausgehen. Um 20:24 Uhr griffen Sie nach Ihrem Inhalator. Das nächste Bild zeigt Sie am Boden liegend.“
„Wer betrat den Flur?“
„Mehrere Mitarbeiter. Victor war am nächsten. Er sagt, er habe Sie husten hören und sei gekommen, um zu helfen.“
„Hat er das?“
“According to the footage, he was already standing near the study door before you collapsed.”
Lucas watched the screen. Victor’s posture was relaxed, almost bored. He looked down the hall once, then stepped toward the console table. The camera’s view was partly blocked by a decorative column. A few seconds later, Victor moved away. Then Lucas appeared, one hand pressed to his chest.
“Enhance the image around the table,” Lucas said.
“We’re doing that.”
“Check the pharmacy delivery. Check the cabinet in my study. Check every person who handled the inhaler.”
Elias hesitated. “Including Victor?”
“Especially Victor.”
The words sat between them like a drawn blade.
Three years earlier, Lucas would have rejected the suggestion without considering it. Victor had been beside him through business disputes, funerals, threats, and the slow process of turning the family’s legitimate holdings away from the criminal operations his father had built. He had been the man Lucas trusted to speak plainly when everyone else wanted to please him.
But the night Isabella and Daniel died, Victor had also been the man who brought him away from home.
The memory rose without warning.
Rain hammered the windshield as Lucas drove toward the Jersey warehouse. Victor sat beside him, speaking into a phone and giving clipped instructions. When they arrived, there was no attack. The warehouse doors were closed. The security guards looked confused.
“What is this?” Lucas demanded.
Victor had claimed the attackers were already gone. He said someone had seen a suspicious vehicle, that the alarm had been triggered, that it might have been a false report. Lucas had turned to leave, furious at the wasted trip, when a call came from the mansion.
Smoke.
Fire.
Isabella and Daniel were inside.
Lucas remembered running through the rain, abandoning the car in the street, forcing his way past firefighters who tried to stop him. He remembered smoke filling his lungs as he searched the upstairs hall. He remembered a firefighter pulling him outside when his knees gave way. He remembered waking in a hospital with a tube in his throat and no one willing to tell him the truth until he asked three times.
Isabella had died before the fire crew arrived.