Kapitel 2 – Der Preis des Blutes

Die Notaufnahme des Portsmouth Naval Hospital roch nach Desinfektionsmittel und Ozon, ein steriles Refugium, das Lichtjahre entfernt von der abgestandenen Fäulnis meiner Küche war.

Lily schlief auf einem schmalen Untersuchungsbett, verschluckt von einer Fleecedecke mit Cartoon-Bären darauf. Eine Infusion führte in den Handrücken ihrer kleinen Hand, mit blauer medizinischer Folie festgeklebt, damit sie nicht daran zog. Ihre Haut war noch grau unter den grellen Neonlichtern, ihre Lippen rissig und trocken, doch die Monitore neben ihr summten mit gleichmäßigen, beruhigenden Rhythmen.

Starke Dehydrierung. Leichte Ketose nach drei Tagen Hunger. Prellungen auf beiden Knien, weil sie einen Holzstuhl über den Fliesenboden gezogen hatte, um an den Wasserhahn zu gelangen.

“Sie hat Wasser aus dem Waschbecken getrunken, Major Nolan”, sagte mir die pädiatrische Assistenzärztin und hielt ihre Stimme leise, um das Kind nicht zu wecken. “Das hat sie vor akutem Nierenversagen bewahrt. Deine Tochter ist zäh. Unglaublich hart.”

“Sie ist meine Tochter”, sagte ich und setzte mich neben das Bett, Lilys winzige Finger um meinen Daumen gelegt.

Ich hatte meine Wüsten-Utility-Uniform noch nicht ausgezogen. Ich hatte nicht geduscht. Der Staub des Nahen Ostens war immer noch in die Manschetten meiner Ärmel gemahlen, vermischt mit getrockneten Tränen und Straßenschmutz vom Wohnzimmerboden.

Ein leises Klopfen ertönte an der Tür des Untersuchungsraums.

Detective Marcus Miller von der Chesapeake Child Protection and Special Victims Division betrat den Raum. Er war ein breitschultiger Mann in einem grauen Anzug mit müden Augen und einem ledergebundenen Notizbuch unter dem Arm. Officer Bell folgte dicht hinter ihm.

“Major Nolan?” fragte Miller leise und streckte die Hand aus.

Ich schüttelte es. Sein Griff war fest, professionell, doch seine Augen wanderten mit einem Hauch echter Trauer zu Lilys schlafender Gestalt.

“Wie geht es ihr?” fragte Miller.

“Sie wird leben”, sagte ich. “Jetzt sag mir, was du gefunden hast.”

Miller zog einen Plastikstuhl heran und setzte sich mir gegenüber, während Bell wie ein Wachposten an der geschlossenen Tür stehen blieb.

“Wir haben den Küstenwachen-Verbindungsmann im Bezirk 7 in Miami kontaktiert”, begann Miller und öffnete sein Notizbuch. “Das Kreuzfahrtschiff *Caribbean Empress* befindet sich derzeit zweiundzwanzig Meilen nördlich von Great Abaco. Sie landen morgen früh um acht Uhr in Nassau. Die Royal Bahamas Police Force wurde im Rahmen unseres gegenseitigen Rechtshilfevertrags offiziell benachrichtigt. Sie werden das Schiff betreten, sobald die Leinen gesichert sind.”

“Kannst du ihn ausliefern?” fragte ich.

“Wegen schwerer Kindesvernachlässigung? Ja”, sagte Miller. “Der Commonwealth Attorney hat bereits einen beschleunigten Durchsuchungsbefehl genehmigt. Aber Derek ist nicht dein einziges Problem, Major.”

Er zog einen Manila-Ordner unter seinem Notizbuch hervor und legte ihn auf den Nachttisch. Darin waren Ausdrucke von Grundstücksunterlagen, Bankprotokollen und Gerichtsakten.

“Während Sie im Krankenwagen waren, hat mein Büro das Chesapeake Jugend- und Familiengericht kontaktiert”, sagte Miller. “Dereks Anwalt, ein Mann namens Marcus Vance, hat vor vier Tagen einen Antrag auf ex parte vorübergehendes Sorgerecht für Lily gestellt. Die Anhörung ist für morgen früh um neun Uhr angesetzt.”

Ich starrte ihn an, mein Kopf schwirrte. “Eine Notfallanhörung zum Sorgerecht? Auf welcher Grundlage?”

“Verlassen”, sagte Miller unverblümt. “Die Petition behauptet, dass Sie vor Ihrem Einsatz einen schweren kampfbedingten psychiatrischen Zusammenbruch erlitten haben, Ihre Familie verlassen haben, um illegale Behandlung im Ausland zu suchen, und dass Derek in den letzten zwölf Monaten der einzige Betreuer war. Der Petition ist eine eidesstattliche Erklärung beigefügt, die angeblich von Ihnen unterschrieben wurde, in der Sie auf Ihre elterlichen Rechte zugunsten von Derek und seiner Mutter verzichten.”

My stomach churned with pure disgust. “That’s an outright lie. I was assigned to a joint intelligence task force. My deployment orders were issued by the Department of the Army. I have three performance evaluations from Colonel Harris rating me in the top one percent of field grade officers.”

“I know that, Major. Officer Bell saw your service records,” Miller said gently. “The problem is the paperwork Derek filed looks legitimate on its face. It carries the seal of the city notary, and it was stamped by a deputy clerk who didn’t look twice because Derek presented a medical statement from an Army physician.”

I froze. “A physician?”

Miller turned the page. He pointed to a photocopied letterhead bearing the crest of the United States Army Medical Command.

The letter stated that Major Hannah Nolan was undergoing non-disclosed treatment for severe operational stress and was deemed medically incapable of providing dependent care.

The signature at the bottom was clean, bold, and entirely real: *Gregory Cole, MD, Colonel, U.S. Army Reserve.*

The room seemed to tilt on its axis.

Gregory Cole wasn’t just a reserve doctor. He was Patricia Sterling’s partner of six years. He spent Thanksgiving at my dinner table. He had sat on my porch drinking my father’s bourbon, smiling at my daughter while she played in the sprinklers.