
Der Mann, der mit dem Auto vom Flughafen kam, sagte „Fairview Street“, als hätte er gerade ein Grab geöffnet.
Ich war gerade an Bord gegangen, die Müdigkeit nach dem verspäteten Flug noch in den Knochen, den Mantel über den Arm gefaltet und den Koffer zwischen den Knien eingeklemmt. Draußen öffneten und schlossen sich die automatischen Türen des Flughafens und verschluckten Familien, Geschäftsleute, Studenten und Umarmungen. Ein Mann verkaufte überteuerten Kaffee an einer Säule. Ein kleines Mädchen weinte, weil es sein Stofftier verloren hatte.
Und ich blieb regungslos, als der Fahrer, ohne sich ganz umzudrehen, mich fragte:
—Wohnen Sie noch in der Fairview Street?
Er sagte es nicht aus Neugier. Er sagte es mit einer seltsamen Ruhe, fast mit Angst.
Ich spürte, wie sich der Sicherheitsgurt straffte, bevor ich ihn anlegte.
—Was hast du gesagt?
Der Mann warf einen Blick in den Rückspiegel. Er war wohl um die sechzig, hatte ergrauendes Haar, einen gestutzten Schnurrbart und die Augen eines Mannes, der gelernt hatte, nicht zu viele Fragen zu stellen. Mein Ziel erschien auf dem Display des Armaturenbretts: das Hotel, in dem ich zwei Nächte verbringen wollte, bevor ich nach meiner Mutter sehen würde.
Meine Mutter ist vor fünf Tagen gestorben.
Und ich war nach Mexiko gekommen, nicht nach Ohio, nicht zur Fairview Street, nicht in irgendeinen Teil meiner Kindheit. Ich war gekommen, um ein Bankkonto aufzulösen, von dessen Existenz ich gar nichts wusste.
—Fairview Street—, wiederholte er. —Dort hat dich deine Mutter früher immer hingebracht.
Ich hatte diesen Namen seit meinem neunten Lebensjahr nicht mehr gehört.
Ich lachte, aber mein Lachen klang trocken.
—Hören Sie, ich weiß nicht, wer Ihnen das erzählt hat, aber ich habe seit meiner Kindheit nicht mehr dort gewohnt. Und ich verstehe nicht, wie Sie das wissen konnten.
Der Fahrer schluckte schwer. Draußen hupte ein Taxi. Im Wagen lief die Klimaanlage auf Hochtouren.
—Mein Vater hatte ein Geschäft. Ein Reisebüro. Deine Mutter ist mit dir gefahren.
„Meine Mutter ist nie verreist“, sagte ich sofort.
Es war ein Satz, den sie so oft wiederholt hatte, dass er wie eine vertraute Wahrheit wirkte, eine jener Wahrheiten, die niemand je hinterfragte. Meine Mutter, Elena Whitaker, hasste Flugzeuge. Zumindest behauptete sie das. Sie sagte, „die Welt sei gefährlich“, „eine anständige Frau suche sich nicht fernab der Heimat Ärger“, „das Leben löse sich in der Küche, nicht auf Flughäfen“.
Sie hat nie einen Reisepass bekommen. Sie ist nie nach Kanada gefahren, als meine Schwester Laura sie eingeladen hat. Sie ist nicht einmal zu den Niagarafällen gefahren.
Der Fahrer widersprach nicht. Er griff einfach in den Getränkehalter, holte sein Handy heraus und suchte nach einem Foto. Dann hielt er es mir hinter sich hin.
—Mein Vater hat das bis zu seinem Tod aufbewahrt. Ich habe nicht verstanden, warum.
Ich nahm den Hörer ab.
Das Foto war vergilbt und hatte abgenutzte Ecken. Es zeigte das Innere eines Ladens: eine hölzerne Ladentheke, einen Kalender von 1971, an der Wand geklebte Flugplakate, eine Pflanze in einem Tontopf. Auf der Theke saß ein kleines Mädchen in einem blauen Kleid und weißen Schuhen.
Das Mädchen war ich.
No una niña parecida. Yo. Mis ojos, mi fleco torcido, la cicatriz pequeña en la ceja derecha que me hice cayéndome de una bicicleta.
Detrás de mí estaba mi madre. Jovencísima. Hermosa. Pero no como la recordaba. No con su cabello amarrado, su vestido sobrio y sus ojos vigilantes. En la foto llevaba una blusa crema, el pelo suelto con ondas suaves, labios pintados y una sonrisa que no era alegría, sino una máscara.
A su lado había un hombre alto, de traje claro. No lo conocía. Tenía una mano sobre el mostrador y la otra apoyada cerca de la cintura de mi madre, como si tuviera derecho a estar ahí.
—¿Quién es él? —pregunté.
—Mi papá lo llamaba el señor Alarcón.
El nombre me raspó por dentro. Alarcón. No significaba nada, y aun así me dio escalofrío.
—¿Qué agencia era?
—Viajes del Sur. Estaba en Chicago, cerca de una tienda mexicana. Mi papá era Rafael Medina. Yo me llamo Rafael también.
—¿Y por qué me está enseñando esto?
El chofer no arrancó. En vez de eso, salió del carril de pasajeros, avanzó unos metros y se estacionó junto a una zona de carga, bajo una fila de columnas de cantera. Había azulejos de Talavera en la pared del edificio y una maceta llena de bugambilias que se movían con el viento. Todo era demasiado brillante, demasiado real.
—Porque mi papá me hizo prometer que, si algún día veía a la niña de la foto, le entregara lo que dejó su mamá.
Mi garganta se cerró.
—Mi mamá está muerta.
—Lo sé.
Volteé hacia él.
—¿Cómo que lo sabe?
Rafael apretó el volante.
—Porque ayer vino una mujer a mi casa preguntando por usted. Dijo que Elena Whitaker había muerto. Dijo que usted llegaría hoy. Me enseñó una foto suya.
Sentí un frío horrible.
—¿Qué mujer?
—No quiso decir su nombre. Pero dejó esto.
Abrió la guantera y sacó un sobre color crema, grueso, con manchas café en los bordes. Lo sostuvo como si fuera algo vivo. En el frente, escrito con una letra inclinada y elegante, estaba mi nombre de niña.
Camila.
No “Cami”, como me decía mi madre cuando estaba de buenas. No “Camila Whitaker”, como aparecía en mis documentos.
Solo Camila.
Reconocí la letra de mi madre de inmediato. La misma letra de las recetas pegadas en el refrigerador, de las notas que me dejaba en la lonchera, de las listas de medicinas al final de su vida.
—No —murmuré—. Esto no puede ser.
—Mi papá dijo que llevaba sellado cincuenta y tres años.
Lo tomé. El papel olía a polvo, humedad y algo vagamente dulce, como los cajones viejos de una iglesia.