„Ich glaube, heute Morgen. Ich fand es zusammengefaltet in meiner Schürze, nachdem sie meine Hand berührt hatte.“
Daniel starrte das Bild an.
Sein Autokennzeichen war spiegelverkehrt geschrieben, mehrere Buchstaben fehlten, aber die letzten vier Zeichen waren unverkennbar. Er besaß denselben schwarzen Mercedes seit sechs Jahren.
Das Auto war bei dem Unfall, bei dem Caroline ums Leben kam, völlig zerstört worden.
Er hatte es nie wieder gesehen.
„Warum sollte Lily ausgerechnet mein Auto zeichnen?“, fragte er.
Rosa zögerte.
„Weil sie es vielleicht schon einmal gesehen hat.“
Daniels Kiefer verkrampfte sich.
„Sie war drei Jahre alt, als der Unfall passierte.“
„Ich weiß, Sir.“
„Sie würde sich das Nummernschild nicht merken.“
“Ich weiß.””
„Dann erkläre mir das.“
Rosa warf Denise einen Blick zu.
Denise trat vor.
„Herr Bennett, wir haben Ihre Mutter im Frühstückszimmer mit Lily sprechen hören. Sie gab dem Kind etwas zu trinken. Lily sagte, es habe sie müde gemacht.“
Daniels Gesichtsausdruck veränderte sich.
„Was hat sie ihr gegeben?“
„Wir wissen es nicht“, antwortete Denise.
„Es stammte aus einer kleinen weißen Flasche.“
„Hast du das Etikett gesehen?“
“NEIN.””
„Warum hast du es dann nicht mitgenommen?“
Denise zuckte zusammen.
„Weil deine Mutter die Türen bewachte. Und weil Lily verängstigt aussah.“
Daniel blickte zwischen ihnen hin und her.
Jahrelang hatte er sich eingeredet, Evelyn sei streng, altmodisch und schwer zufriedenzustellen. Sie hatte nach Carolines Tod mitgeholfen, Lily großzuziehen. Sie hatte das Anwesen verwaltet, als Daniel kaum noch das Bett verlassen konnte.
Er verdankte seiner Mutter mehr, als er in Worte fassen konnte.
Aber er wusste auch, wie Angst aussah.
Er hatte es bei seiner Tochter immer dann beobachtet, wenn Evelyn einen Raum betrat.
Er hatte es als Trauer abgetan.
„Zeigen Sie mir, wo das passiert ist“, sagte er.
Rosa führte ihn in den Frühstücksraum.
Sonnenlicht ergoss sich über die Marmorinsel. Ein silbernes Teeservice stand neben einer Vase mit weißen Rosen. Alles wirkte makellos, fast inszeniert.
Die kleine weiße Flasche war verschwunden.
Daniel öffnete die Schränke.
Nichts.
Er überprüfte den Abfalleimer unter der Spüle.
Leer.
„Jemand hat dieses Zimmer geputzt“, sagte er.
Rosa nickte.
„Deine Mutter lässt das Küchenpersonal immer sofort aufräumen, nachdem sie etwas für Lily zubereitet hat.“
“Warum?””
„Sie sagt, Kinder sollten keine Medikamentenfläschchen sehen. Sie will nicht, dass Lily sich Sorgen macht, krank zu werden.“
Daniel öffnete den Kühlschrank.
Im Inneren stand ein Glaskrug mit Erdbeerlimonade.
Er betrachtete es einen langen Moment lang.
„War Lily in letzter Zeit krank?“
Rosa zögerte.
„Sie hat sehr viel geschlafen.“
“How much?””
“Sometimes she falls asleep before dinner. Yesterday, she slept through her piano lesson.””
Daniel turned sharply.
“Why wasn’t I told?””
“Mrs. Bennett said you were working on an important project. She told us not to bother you with ordinary childhood problems.””
Daniel remembered the last three weeks.
His mother had called every evening to assure him that Lily was doing wonderfully. His daughter was eating well, sleeping well, behaving beautifully.
Whenever Daniel asked to speak to Lily, Evelyn said the little girl was already asleep.
Whenever he came home early, Evelyn found a reason to keep him in his study.
He had believed her.
He had wanted to believe her.
“Has she been given anything else?”” he asked.
Rosa shook her head.
“Not that I have seen.””
“Then why did you call me and tell me not to mention this to my mother?””
Denise took a breath.
“Because I saw your mother lock the nursery door from the outside.””
Daniel stared at her.
“When?””
“Two days ago. Lily was crying. Your mother told us the child needed to learn to sleep alone.””
“She has her own bedroom.””
“I know.””
“Why was she in the nursery?””
Denise lowered her voice.
“Because the nursery has a lock.””
Daniel felt something cold move through his chest.
He turned toward the staircase.
“Take me to her.””
They climbed the stairs together. The house was quiet except for the ticking of an antique clock and the distant hum of the air conditioning.
At the end of the hallway, Daniel found the nursery door closed.
He tried the handle.
Locked.
“Lily?”” he called.
“Sweetheart, it’s Daddy.””
There was no answer.
He knocked harder.
“Lily, can you hear me?””
A faint sound came from inside.
Three taps.
Then silence.
Daniel turned to Rosa.
“Where’s the key?””
“Your mother keeps it.””
He pounded on the door.
“Mom!””
Footsteps approached from the opposite end of the hall.
Evelyn appeared carrying a porcelain cup and saucer.
“What on earth is all this noise?””
Daniel pointed at the door.
“Unlock it.””
“Lily is resting.””
“Unlock it, Mother.””
Evelyn looked at Rosa, then Denise.
“Have these women been filling your head with nonsense?””
“No one has to fill my head with anything. Why is my daughter locked in a room?””
“She has been difficult lately. She needs routine.””
“She is six.””