Bevor Rosa antworten konnte, schwang die schwere Tür des Suites auf.

Leo, Alessandros Sicherheitschef, betrat den Raum, sein Gesicht blass und von einem leichten Schweißfilm bedeckt.

“Boss”, sagte Leo schnell, seine Augen huschten nervös zu Rosa und Lily. “Vincent Romanos Konvoi ist gerade durch das äußere Tor gerammt. Er hat nicht auf vier Uhr gewartet. Er ist gerade im Hof mit fünfzehn bewaffneten Männern.”

Alessandro zuckte nicht zusammen. Langsam zog er seine Hand von Rosas Hals zurück und richtete seine Weste mit kühler Präzision.

“Sagen Sie Mr. Bruno, er soll den formellen Speisesaal vorbereiten”, befahl Alessandro kalt. “Und hol die eiserne Truhe meines Vaters aus dem Tresor.”

Kapitel 4 – Der Löwe im Speisesaal

Der formelle Speisesaal des Moretti-Anwesens wurde 1920 erbaut – eine große, gewaltige Kammer mit einem neun Meter hohen Eichentisch, schweren roten Samtvorhängen und Porträts vergangener Moretti-Dons, die von getäfelten Wänden herabblickten.

Vincent Romano saß am Kopfende des Tisches.

Mit zweiundsechzig Jahren war der Leiter des Chicagoer Syndikats ein imposanter, breitschultriger Mann mit eisengrauem Haar, dichtem Schnurrbart und Augen so kalt wie ein zugefrorener See. Er trug einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Anzug, sein schwerer goldener Siegelring klirrte rhythmisch gegen das Kristallglas Scotch, das er sich eingeschenkt hatte.

Hinter ihm standen acht Chicagoer Vollstrecker, deren Lederjacken offen waren, die Hände nahe den Schulterholstern ruhend.

Isabella saß zu seiner Rechten, ihre Haltung steif, ein siegessicheres, grausames Grinsen umspielte ihre Lippen.

Die schweren Doppeltüren wurden aufgeschwungen.

Alessandro betrat den Raum allein. Er trug keine sichtbaren Waffen, die Hände lässig in die Hosentaschen gesteckt. Hinter ihm standen Leo und vier Moretti-Wachen stramm in der Nähe der Tür, die Hände fest hinter dem Rücken verschränkt.

“Vincent”, begrüßte Alessandro ruhig und setzte sich am gegenüberliegenden Ende des langen Tisches, dreißig Fuß vom Chicago Don entfernt. “Du bist schlecht vom Flughafen gekommen. Der Verkehr auf der Brücke muss gering gewesen sein.”

Vincent Romano stellte sein Scotchglas mit einem schweren SCHLAG ab.

“Hör auf mit den Höflichkeiten, Moretti”, knurrte Vincent, seine tiefe Stimme hallte von den hohen Decken. “Meine Tochter hat mich vor drei Stunden weinend angerufen. Sie erzählt mir, du hast sie angefasst, gedroht, sie in eine Kiste zu stecken, und den Namen Romano wegen einer Haushälterin und ihrem Bastardkind beleidigt.”

Alessandro lehnte sich in seinem Stuhl zurück und stützte sein Kinn auf die gefalteten Finger. “Isabella hat übertrieben.”

“Hat sie?” schnappte Isabella und funkelte über den Tisch hinweg. “Du legst deine Hand auf das Geländer! Du hast mir vor den Dienern mit dem Leben gedroht!”

Vincent hob eine dicke Hand und brachte seine Tochter sofort zum Schweigen. Er beugte sich vor, stützte seine schweren Unterarme auf den Eichentisch und starrte den Raum entlang zu Alessandro.

“Wir haben dieser Ehe zugestimmt, um einen Krieg zu beenden, der uns zehn Millionen Dollar im Monat an verlorenen Schiffen kostete”, sagte Vincent, sein Ton wurde gefährlich scharf. “Meine Familie hat dir Respekt geschenkt. Wir haben Ihnen Zugang zu den Handelsrouten der Großen Seen gegeben. Und du dankst uns, indem du eine Straßenprostituierte in dein Bett schleppst und sie in deinem Haus fortpflanzen lässt?”

Die Temperatur im Raum sank rapide.

Leo machte einen unauffälligen Schritt nach vorne, seine Hand glitt in die Jacke, doch Alessandro hob einen Finger und hielt seinen Sicherheitschef inne.

Alessandro beugte sich langsam vor und legte die Handflächen flach auf das dunkle Holz des Tisches.

“Vorsicht, Vincent”, flüsterte Alessandro, seine Stimme trug einen sanften, tödlichen Unterton, der die Chicagoer Vollstrecker hinter Vincent unbehaglich hin und her rutschen ließ. “Die Frau, von der du dich beziehst, ist die Mutter meines Kindes. Und das Kind ist ein Moretti.”

Vincent stieß ein scharfes, spöttisches Lachen aus. “Das Kind eines Dienstmädchens ist ein Fehler, Alessandro! Ein Fleck! Du zahlst dem Mädchen fünfzigtausend Dollar, wirfst sie auf die Straße und heiratest meine Tochter am Samstag, wie wir es vereinbart haben. So gehen echte Männer mit solchen Situationen um.”

“Is that how you handled your mistakes, Vincent?” Alessandro asked smoothly.

Vincent’s laughter stopped instantly. His eyes narrowed. “What did you say?”

Alessandro didn’t answer right away. He turned his head toward the side door.

Mr. Bruno stepped into the dining room, carrying a heavy, rusted iron chest engraved with the old Moretti family crest. He set the chest down on the table directly in front of Alessandro, unlocked it with an antique brass key, and stepped back.

Alessandro reached inside, pulling out a thick, yellowed ledger tied with a faded red ribbon, along with a stack of old black-and-white photographs.

He slid the documents down the thirty-foot table. They slid smoothly across the polished wood, stopping directly in front of Vincent Romano.

“Thirty years ago,” Alessandro explained softly, his voice echoing in the silent room, “my father, Don Eduardo Moretti, ran a smuggling operation out of Lake Erie with your father. There was a young woman named Sofia who worked in the dockside diner in Cleveland.”

Vincent stared at the yellowed photographs, his face turning from anger to pure, unadulterated shock.

“Sofia had a child,” Alessandro continued, his eyes locked onto Vincent’s pale face. “A baby girl. But when your father found out, he didn’t pay her fifty thousand dollars. He ordered Sofia killed, took the baby, and passed her off as his legitimate daughter to secure his family’s honor.”

Isabella turned her head sharply toward her father, her brows pulling together in confusion. “Father? What is he talking about?”

Vincent’s hands trembled as he picked up the old birth certificate from the stack. His mouth opened, but no sound came out.