Javier hatte das Gefühl, dass ihm die Luft ausging.

Er sah seinen Vater an.

Diesen Mann, den er gerade angefahren hatte.

Dann sah er auf seine eigenen Hände.

Er erinnerte sich an den Schlag.

Das Geräusch von Prothesen, die auf den Boden fielen.

Aus dem Ausdruck von Don Ernesto.

Und er verstand, dass er etwas getan hatte, das er niemals auslöschen konnte.

Er ging zum Sofa.

“Papa… »

Don Ernesto sah ihn nicht an.

“Nicht jetzt, Javier.”

“Es tut mir leid.”

“Nicht jetzt.”

Die Stille wurde unerträglich.

Javier gibt nach.

Lucía versuchte, sich ihm zu nähern.

“Liebling, ich…” »

“Nenn mich nicht mehr so.”

Sie erstarrte.

« Javier… »

“Du hast mein Vertrauen benutzt, um mich dazu zu bringen, meinen eigenen Vater anzugreifen.”

Lucía senkte den Kopf.

“Ich hatte Angst.”

“Und deshalb hast du beschlossen, jemanden zu zerstören, der dir nie wehgetan hat.”

Sie antwortete nicht.

Don Ernesto erhob sich langsam.

“Es ist noch nicht vorbei.”

Javier dreht sich um.

“Was?”

“Arturo braucht mich nicht, um dieses Haus endgültig zu verlassen.”

Der alte Mann zeigte auf die Dokumente im roten Umschlag.

“Alles, was es braucht, ist eine Gelegenheit, damit er mich unter Vertrag nimmt.”

“Ich werde es nicht zulassen.”

Don Ernesto sah ihn müde an.

“Du hast schon viel zu viele Dinge zugelassen.”

Diese Worte schwebten zwischen ihnen.

Plötzlich klingelte Lucías Telefon erneut.

Es war Arturo.

Javier blickte auf den Bildschirm.

Dann sein Vater.

“Ich antworte.”

Don Ernesto schüttelte den Kopf.

“Nein.”

“Warum?”

Der alte Mann atmete tief durch.

“Weil Arturo nicht allein arbeitet.”

Javier runzelte die Stirn.

“Woher weißt du das?”

Don Ernesto ging zu einem alten Holzschrank.

Er öffnete eine Schublade.

Ein Foto kam heraus.

Und reichte es seinem Sohn.

Javier erkannte sofort Arturo Salcedo.

Aber er war nicht allein.

Neben ihm saß ein Mann in seinen Sechzigern, gekleidet in einen grauen Anzug.

Javier kannte dieses Gesicht perfekt.

Er hatte es in seiner Kindheit gesehen.

Dieser Mann hatte bei ihnen zu Hause gemeinsam gegessen.

Er hatte an der Beerdigung seiner Mutter teilgenommen.

Es war Ricardo Valdés.

Don Ernestos bester Freund.

Und der Anwalt, der seit über zwanzig Jahren die Rechtsangelegenheiten der Familie verwaltete.

Javier hob den Kopf.

« Ricardo ? »

Sein Vater nickte.

“Ich glaube, er bereitet das alles seit Monaten vor.”

“Seit wann weißt du das?”

Don Ernesto brauchte lange, um zu antworten.

“Da ich eine Kopie meines Testaments gefunden habe… mit einer Unterschrift, die ich nie angebracht habe. »

KAPITEL 4. DER ANWALT, DER ALLE GEHEIMNISSE KANNTE

Ricardo Valdés gehörte praktisch zur Familie Morales.

Als Javier klein war, nannte er ihn “Onkel Ricardo”.

Ohne seinen Besuch gab es kein Weihnachten.

Auch keinen wichtigen Geburtstag ohne sein Geschenk.

Er hatte Don Ernesto während des Krebses seiner Frau Elena begleitet.

Er hatte die Erbschaftsverfahren organisiert.

Er hatte bei der Beerdigung geweint.

Zumindest hatte Javier das immer geglaubt.

“Das ist nicht möglich”, murmelte er und betrachtete das Foto. Ricardo würde uns so etwas niemals antun. »

Don Ernesto lachte bitter.

“Genau das denke ich seit dreißig Jahren.”

Der alte Mann ging langsam zurück zum Sofa.

Javier setzte sich ihm gegenüber.

Lucía stand an der Tür, das Handy in der Hand.

Ihr Mann sah sie nicht mehr an.

“Erklär mir alles von Anfang an”, bat Javier.

Don Ernesto schwieg einige Momente.

“Vor sechs Monaten kam Ricardo mit Papieren zu mir.”

“Welche Papiere?”

“Er hat mir gesagt, dass wir mein Testament aktualisieren müssen.”

Die Erklärung schien vernünftig.

Don Ernesto war gerade siebzig geworden.

Ihre Gesundheit war nicht schlecht, aber ihr Arzt hatte ihr empfohlen, ihren Stress zu reduzieren.

Ricardo hatte darauf bestanden, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, um seine Ruhe zu gewährleisten.

Er hatte ihr bereits ein vorbereitetes Dokument mitgebracht.

Alles schien in Ordnung zu sein.

Das Haus würde an Javier gehen.

Die Ersparnisse sollten gemäß den Vereinbarungen verteilt werden, die Don Ernesto Jahre zuvor getroffen hatte.

Eine kleine Spende an die Vereinigung, in der Elena ehrenamtlich gearbeitet hatte, würde ebenfalls respektiert werden.

Doch ein Detail weckte den Verdacht des alten Mannes.

In einem der Dokumente stand eine Firma namens Patrimonios del Centro.

“Ich habe ihn gefragt, was es sei”, erklärte Don Ernesto. Er sagte mir, dass sie nur für die administrative Verwaltung zuständig sei. »

“Und was hast du getan?”

“Ich habe nicht unterschrieben.”

Ricardo war wütend geworden.

Nicht offen.

Aber Don Ernesto kannte ihn zu gut.

Er hatte bemerkt, wie sein ehemaliger Freund die Kiefer zusammenpresste.

Wie er hastig die Dokumente aufhob.

Wie er ihrem Blick auswich.

Zwei Wochen später war Ricardo zurückgekehrt.

Diesmal wurde er von Arturo Salcedo begleitet.

“Er hat ihn mir als Immobilienspezialist vorgestellt.”

Javier blickte zu Lucía auf.

“Ist das der Grund, warum sie angefangen haben, nach Hause zu kommen?”

Sie nickte.

“Ja.”

“Und du wusstest, dass sie versucht haben, das Haus zu übernehmen?”

“Anfangs nein.”

“Was kommt als Nächstes?”

Lucía schluckte.