Kapitel 2 – DER NAMEN, DEN NIEMAND AUSZUSPRECHEN wagte

„Elena“, sagte ich leise. „Ihr Name war Elena Rossi.“
Im Speisesaal herrschte Totenstille.
Vierzig der reichsten Gäste Chicagos saßen wie erstarrt um den Mahagonitisch. Niemand griff nach einem Weinglas. Niemand wagte zu atmen.
Neben mir rührte sich Luca Moretti nicht. Seine Hände lagen fest auf der geschnitzten Stuhllehne, die Tätowierungen an seinen Knöcheln zeichneten sich blass auf seiner Haut ab. Elf Monate lang hatte ich diesen Mann erlebt, wie er Räume beherrschte, ohne die Stimme zu erheben, stets kontrolliert, stets unnahbar.
Im Moment sah er aus wie ein Mann, dem gerade eine Kugel in die Brust getroffen wurde.
„Raus hier!“, sagte Luca.
Er sah weder mich noch Richard noch Vanessa an. Er starrte geradeaus auf die Kristalltüren.
„Alle an diesem Tisch außer den Bellinis und Emily“, fuhr Luca mit gefährlich leiser Stimme fort, „verlassen mein Haus. Sofort.“
Stühle kratzten über den Marmorboden. Herren in maßgeschneiderten Smokings und Damen in Seidenkleidern eilten wortlos ins Foyer. Keine zwei Minuten später schlossen sich die schweren Eichentüren hinter dem letzten Gast.
Nur noch vier von uns blieben zwischen den halb aufgegessenen Tellern und dem tropfenden Rotwein zurück.
Vanessas Brust hob und senkte sich rasch unter ihrem roten Kleid. Das Diamantarmband an ihrem Handgelenk funkelte im Licht, als sie nach Lucas Arm griff.
„Luca, Liebling, hör mir zu“, flehte sie mit zitternder Stimme. „Dieses Mädchen ist verzweifelt. Du hast ihre Freundin Claire wegen Diebstahls gefeuert, und jetzt benutzt Emily einen Namen, den sie von den Angestellten aufgeschnappt hat, um dir zu schaden. Jeder in Chicago weiß, was Elena vor zwölf Jahren getan hat.“
Luca drehte langsam den Kopf zu seiner Verlobten.
„Jeder weiß, dass sie in der Nacht, als mein Bruder Marco starb, zweihunderttausend Dollar aus dem Safe meiner Familie gestohlen hat“, sagte Luca leise. „Jeder weiß, dass sie vor Sonnenaufgang aus dem Land geflohen ist. Was niemand weiß – was ich nie jemandem außerhalb meines engsten Kreises erzählt habe – ist, dass Elena hier als Dienstmädchen gearbeitet hat, bevor Marco sich in sie verliebte.“
Vanessas Hand sank an ihre Seite.
Luca machte einen langsamen Schritt auf sie zu.
„Und doch hat Emily gerade gesagt, dein Vater hätte sie misshandelt, als sie Dienstmädchen war.“ Lucas dunkler Blick wanderte zu Richard Bellini. „Vor zwölf Jahren, Richard, hast du mir erzählt, du hättest vor Marcos Beerdigung nie einen Fuß in das Haus meines Vaters gesetzt. Vanessa hat geschworen, sie wisse nicht einmal, wie Elena aussieht.“
Richard stand auf und knöpfte mit gezwungener Würde sein Jackett zu. Er war einundsechzig, hatte silbernes Haar und war es gewohnt, sich aus jeder misslichen Lage freizukaufen.
“This is absurd, Luca,” Richard said, though a bead of sweat had formed near his temple. “We are three weeks away from uniting our families and signing the harbor development merger. Are you really going to let a twenty-five-year-old girl in a stained apron blow up a forty-million-dollar partnership based on gossip from a runaway maid?”
“Sit down, Richard,” Luca said.
“I will not be interrogated in front of the help!” Richard snapped, his composure cracking. “Even if I crossed paths with this Elena woman twelve years ago at some charity event, what does it matter? She was a thief! She left your brother bleeding on the boathouse floor!”
I felt a jolt in my chest.
“ Wait,” I whispered, looking up at Richard.
Luca glanced down at me. “What is it, Emily?”
My heart was hammering against my ribs. When Claire had packed her bags in the middle of the night four months ago, I had helped her carry her suitcase down the back stairs. She had been terrified, looking over her shoulder every few seconds.
“Mr. Moretti didn’t say Marco died in the boathouse,” I said, my voice shaking as I looked directly at Richard. “Everyone in this house was told Marco died in a car crash on Lake Shore Drive. How did you know he was bleeding on the boathouse floor?”
The color drained completely from Richard Bellini’s face.
Across the table, Vanessa let out a sharp, choked breath.
Luca went utterly still. The silence in the dining room stretched so tight it felt ready to snap.
“Richard,” Luca whispered.
Before Richard could answer, Vanessa stepped between them, her eyes wide with panic. “He heard it from me! You mentioned the boathouse once when you had a fever two years ago, Luca! You were talking in your sleep!”
It was a lie. Anyone with eyes could see it was a desperate, scrambling lie.
“Get out of my sight,” Luca told them both. “Go wait in the library. Do not leave the estate. My men are already at the gates, and if your car moves an inch before I come downstairs, I will have the harbor contracts burned by midnight.”