
Die Eichentür von Lorenzo Costas privatem Refugium schirmte das gedämpfte, panische Rascheln aus dem Speisesaal ab. Drinnen duftete das Büro nach altem Leder, getrocknetem Tabak und poliertem Zedernholz. Es war ein Raum, geschaffen für brutale Entscheidungen, umhüllt von stillem Luxus – ein Zufluchtsort hoch über der Welt, die er mit eiserner Faust beherrschte.
Lorenzo ging zu der Kristallkaraffe auf seinem Mahagonischreibtisch. Er goss zwei Fingerbreit bernsteinfarbenen Bourbon ein, seine Hand völlig ruhig, trotz der kalten Wut, die durch seine Adern pulsierte. Er trank nicht sofort. Er stand da und blickte in das schwere Glas hinunter, beobachtete, wie sich sein Spiegelbild in der bernsteinfarbenen Flüssigkeit verzerrte.
Es klopfte heftig an der Tür – drei rhythmische, gedämpfte Schläge.
„Herein!“, befahl Lorenzo.
Die Tür schwang auf. Vincent betrat als Erster den Raum. Das dunkle Sakko des Unterbosses war aufgeknöpft, seine Krawatte saß etwas schief, aber seine Manschetten waren blutfrei. Vincent war ein Profi; er wusste, wie man Gewalt einsetzt, ohne seine Kleidung zu beschmutzen. Er nickte Lorenzo kurz zu, und ein einziges Nicken sagte alles: Der Mann im billigen Anzug lernte gerade seine Lektion in der Gasse. Er würde seine Hände nicht mehr benutzen.
Dann trat Vincent beiseite.
Die Frau stand in der Türschwelle.
Aus der Nähe, im warmen, gebündelten Licht von Lorenzos Schreibtischlampe, war der Schaden weitaus schlimmer. Ihre blasse Haut ließ den sich ausbreitenden violetten Bluterguss auf ihrem Wangenknochen brutal frisch wirken. Ihre Unterlippe war geschwollen, in der Mitte eingerissen und blutete langsam auf ihr Schlüsselbein. Sie trug ein schlichtes, verwaschenes Blumenkleid, das eher in einen Secondhandladen gehört hätte und zwischen den Nerzmänteln und Seidenkrawatten von Leles’ Kundschaft völlig deplatziert wirkte. Es war an der Schulter, wo ihr Angreifer sie gepackt hatte, zerrissen.
Doch sie zuckte nicht zusammen. Sie duckte sich nicht weg.
Sie stand kerzengerade da, die Schultern zurückgezogen, das Kinn leicht angehoben, trotz der Qualen, die es ihr sichtlich bereitete. Ihr Atem ging flach und stoßweise, doch ihre Haltung glich der eines Soldaten, der vor dem Henker strammsteht.
„Mach die Tür zu, Vincent“, sagte Lorenzo leise. „Geh nach draußen. Niemand kommt herein.“
„Chef“, erwiderte Vincent, trat zurück und ließ die schwere Eichenholzplatte fest in ihren Rahmen einrasten.
Stille senkte sich über den Raum, dicht und erdrückend. Lorenzo ging langsam um seinen Schreibtisch herum. Er zog sein Taschentuch – ein Quadrat aus makelloser weißer Seide – aus der Brusttasche und hielt es ihr entgegen.
„Nimm es“, sagte Lorenzo. „Deine Lippe blutet.“
She looked at the white silk in his hand, then lifted her eyes to meet his. Her left eye was nearly swollen shut, but her right eye was clear, dark, and burning with a fierce, dangerous intelligence. She didn’t reach for the cloth.
“Who are you?” she asked. Her voice was raspy, broken at the edges, but entirely devoid of tremor. “And what did your man just do to Richard?”
Lorenzo felt a faint, cold smile tug at the corner of his mouth. “His name is Richard? A cheap name for a cheap man. As for what my underboss is doing to him… he is ensuring Richard never raises a fist toward a woman again.”
She didn’t gasp. She didn’t look horrified. She simply digested the information, her mind working behind those dark eyes, calculating every variable.
“You shouldn’t have done that,” she whispered, leaning her hip slightly against the doorframe to keep her balance. “Richard isn’t just some drunk in a restaurant. His uncle is Marco Vane. He works for the syndicate in the North District.”
Lorenzo froze. The amber bourbon in his glass caught the light as he tilted it slightly. Marco Vane was a mid-level lieutenant in the Marcone crime family—a crew Lorenzo had maintained an uneasy, fragile truce with for two years.
“Marco Vane,” Lorenzo repeated slowly, letting the name settle in the air. He set his glass down on the edge of the desk. “So Richard thought he was protected. He thought he could walk into my establishment, bleed on my floor, hit a woman, and shield himself behind his uncle’s name.”
Lorenzo took a step closer to her. He was a tall man, broad-shouldered, carrying the cold authority of a king who ruled an empire built on shadows. Yet as he approached, he made his movements slow, deliberate, ensuring he gave her no reason to flinch.
“What is your name?” he asked quietly.
She hesitated, her bruised fingers clutching the torn fabric at her shoulder. “Clara,” she murmured. “Clara Ross.”
“Clara,” Lorenzo repeated. The name felt surprisingly soft on his tongue. He offered the handkerchief again. This time, he didn’t wait for her to take it. He raised his hand gently, pressing the white silk against her split lip himself.