Daniel starrte sie an. „Mallory hat Claire einen Blumentopf an den Kopf geworfen, während sie unsere Tochter im Arm hielt.“
“Ich weiß.”
„Sie hätte beide töten können.“
Pierce senkte die Stimme. „Ich versuche zu verstehen, warum.“
Daniel wandte den Blick ab.
Helens Tod hatte die Familie bereits schwer getroffen. Sie war sechs Tage zuvor plötzlich gestorben, offenbar nachdem sie versehentlich zu viel von einem ihrer Herzmedikamente eingenommen hatte.
Mallory war seitdem schwierig – wütend, misstrauisch, fast schon besessen von Helens Anwesen.
Doch Daniel hatte sich das niemals vorstellen können.
Emma lehnte sich an ihn.
Dann flüsterte sie: „Tante Mallory wollte Omas Kreuz.“
Daniel erstarrte.
Pierce duckte sich leicht. „Was hat sie gesagt, Emma?“
Das Kind rieb sich die Augen.
„Sie sagte immer wieder, Mama müsse es ihr geben.“
Daniel stellte sich vor, wie Claire vor der Kirche lag.
Das silberne Kreuz.
Das Kreuz seiner Mutter.
Plötzlich erinnerte er sich daran, es unmittelbar nach dem Aufprall auf Claires beigefarbenem Kleid gesehen zu haben.
Ihm war es aufgefallen, weil Helen diese Halskette fast seine ganze Kindheit lang getragen hatte.
Als die Sanitäter Claire auf die Trage luden, hatte er es jedoch nicht gesehen.
Daniel stand auf.
„Die Halskette fehlt.“
Pierces Gesichtsausdruck verfinsterte sich.
Als Daniel am nächsten Morgen mit dem Detektiv zurückkehrte, war der Kirchhof noch immer teilweise abgesperrt.
Das Sonnenlicht enthüllte, was die Dunkelheit verborgen hatte: zerbrochene Terrakotta, plattgedrückte Blumen, Flecken von verschütteter Erde und schwache rostfarbene Verfärbungen auf dem Stein.
Die Ermittler hatten bereits die größten Fragmente eingesammelt.
Daniel suchte trotzdem.
In der Nähe der Stelle, wo Claire gestürzt war, fand er ein kurzes Stück Silberkette.
Gebrochen.
Sein Magen verkrampfte sich.
Sie suchten unter den Bänken und in den Blumenbeeten.
Nichts.
Da erinnerte sich Daniel an den ersten Topf – den, den Mallory geworfen hatte.
Ein Kirchenmitarbeiter hatte den größten Teil des Schmutzes in einen Plastikmüllbehälter in der Nähe des Seiteneingangs gefegt.
Daniel zog sich Handschuhe an und begann, in der Erde und zwischen abgebrochenen Wurzeln zu suchen.
Pierce schaute schweigend zu.
Seine Finger berührten Metall.
Er grub tiefer.
Unter einer zerdrückten weißen Blüte kam das silberne Kreuz zum Vorschein.
Daniel starrte es an.
Der Verschluss war kaputt, aber der Anhänger selbst schien intakt zu sein.
Er rieb den Schmutz ab.
Etwas klickte unter seinem Daumen.
An der Rückseite öffnete sich eine winzige Naht.
Daniel runzelte die Stirn.
Er hatte das Kreuz schon tausende Male gesehen.
Er hatte nie gewusst, dass es geöffnet war.
Darin befand sich eine Speicherkarte, die nicht größer war als sein Fingernagel.
Pierce beugte sich näher.
„Wussten Sie davon?“
“NEIN.”
Daniels Telefon klingelte.
Das Krankenhaus.
Sein Herz hörte auf zu schlagen.
Doch es war lediglich eine Krankenschwester, die ihm mitteilte, dass Claire die Operation überstanden habe und zwar weiterhin bewusstlos, aber in stabilem Zustand sei.
Daniel schloss die Augen.
Stabil.
Er konnte wieder atmen.
Zur Zeit.
Detective Pierce ließ die Karte kopieren, bevor er Daniel erlaubte, den Originalanhänger zu behalten. Die Dateien waren verschlüsselt, und die digitale Abteilung des Departments würde Zeit benötigen, um sie zu untersuchen.
Daniel kehrte ins Krankenhaus zurück.
Emma schlief auf einem Stuhl neben Claires Bett.
Claire sah unter den Monitoren und Verbänden erschreckend blass aus, aber ihre Atmung war ruhig.
Daniel setzte sich neben sie.
Er nahm ihre Hand.
„Was auch immer Mama dir gegeben hat“, flüsterte er, „ich werde herausfinden, warum.“
Sein Handy vibrierte.
Unbekannte Nummer.
Eine Nachricht erschien.
KEINE POLIZEI.
Daniels Puls beschleunigte sich.
Es folgte eine zweite Nachricht.
DU HAST DAS KREUZ GEFUNDEN.
Instinktiv blickte er in Richtung Flur.
Niemand war da.
Dann erschien die letzte Nachricht.
DU HÄTTEST DEINE FRAU DAMIT STERBEN LASSEN SOLLEN.
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Kapitel 3 – DIE AUFNAHME HELEN HID
ZUSAMMENFASSUNG TEIL 3: Claire erklärt endlich, warum Helen ihr das silberne Kreuz anvertraut hat, und die verschlüsselten Akten enthüllen einen finanziellen Betrug innerhalb der Familie Bennett. Doch als Daniel seinen Vater konfrontiert, wird die Wahrheit über Helens Tod noch düsterer.
Daniel zeigte die Nachrichten Detective Pierce noch vor Sonnenaufgang.
Um sieben Uhr untersuchte die Polizei sein Handy.
Um acht Uhr öffnete Claire die Augen.
Daniel hätte es beinahe verpasst.
Er hatte in der Nähe des Fensters gestanden, während Emma quer über zwei Stühle schlief, als er das leise Kratzen von Claires Fingern auf der Decke hörte.
Er drehte sich um.
„Claire?“
Ihre Augenlider flatterten.
Schmerz huschte über ihr Gesicht.
Daniel war sofort an ihrer Seite.
„Du bist in Sicherheit.“
Claire versuchte zu sprechen.
Er beugte sich näher.
„Emma?“
„Ihr geht es gut.“
Erst dann schloss Claire wieder die Augen, Erleichterung löste die Anspannung in ihrem Gesicht.
Als sie sich am Nachmittag wieder wohler fühlte, fragte Daniel nach dem Kreuz.
Die Angst kehrte sofort zurück.
„Wo ist es?“
„Die Polizei hat den Inhalt kopiert.“
Claire starrte ihn an.
„Daniel…“
„Was hat Mama dir geschenkt?“
Claire schluckte.
“Beweis.”
Drei Tage vor Helens Tod hatte sie Claire gebeten, sie allein zu besuchen.
Helen hatte verängstigt gewirkt.
Nicht verwirrt.
Nicht krank.
Erschrocken.
Sie erzählte Claire, dass Geld aus dem Restaurierungsfonds von St. Matthew verschwunden sei, einem Wohltätigkeitskonto, das Helen fast fünfzehn Jahre lang mitverwaltet hatte.
Große Geldtransfers waren als Bauzahlungen getarnt worden.
Einige der Unternehmen, die diese Zahlungen erhielten, existierten nicht.
Andere standen in Verbindung mit Helens Bruder Robert Sloan.
Onkel Robert.
Der Mann, den Daniel seit seiner Kindheit Onkel Rob genannt hatte.
Robert verwaltete mehrere Investitionen der Familie Bennett und war an der Verwaltung des Kirchenrestaurierungsfonds beteiligt.
Laut Helen wusste noch jemand anderes von dem fehlenden Geld.
Daniels Vater.
Charles Bennett.
Daniel fühlte sich körperlich krank.
„Warum ist sie nicht zu mir gekommen?“
„Das hatte sie vor“, sagte Claire. „Sie wollte aber vorher Beweise.“
Helen kopierte Aussagen, E-Mails und Aufnahmen auf die Karte und versteckte sie in ihrem Kreuz.
Dann gab sie Claire das Kreuz.
„Sie sagte, niemand würde dich in Frage stellen, wenn du bei der Beerdigung etwas Sentimentales trägst.“
Daniel starrte sie an.
„Und was ist mit Mallory?“
Claire blickte zu der schlafenden Emma.
„Deine Mutter dachte, Robert würde sie manipulieren.“
In der Woche vor Helens Tod hatte Mallory Nachrichten erhalten, die scheinbar von Claire stammten.