Am Freitagabend hatte sich die Geschichte in den lokalen Nachrichten- und Wirtschaftsmedien rasant verbreitet:
**”STERLING LOGISTICS ZERBRUCH: MILLIONENSCHWERDE IM BETRUG GEGEN PROMINENTE SOCIAL-MEISTER-FAMILIE.”**
Ich saß in der ruhigen Lounge des St. Regis, genoss ein Glas Pinot Noir und einen Teller mit handwerklich hergestelltem Käse, als mein Handy vibrierte.
Es war Brooke.
Die Schwester, die in ihr Weinglas grinsend gelächelt hatte, als Diane mich beleidigte. Die Schwester, die die Instagram-Story gepostet hatte, in der sie mich als „minderwertige freiberufliche Ehefrau“ verhöhnte.
Ich nahm den Anruf entgegen und hielt mir das Telefon ans Ohr, ohne etwas zu sagen.
„Claire?“ Brookes Stimme war gedämpft, panisch und brüchig vor Angst. „Claire, bist du da?“
“Was willst du, Brooke?”
„Ich … ich habe den Instagram-Post gelöscht“, stammelte sie. „Es tut mir so leid, Claire. Du weißt doch, wie Mama ist! Sie setzt alle unter Druck, ihr zuzustimmen! Wenn man nicht über ihre Witze lacht, bricht sie den Kontakt ab! Ich habe das, was ich gesagt habe, nie so gemeint!“
„Vor 24 Stunden schienst du sie noch ganz klar gemeint zu haben“, bemerkte ich und nahm einen Schluck Wein.
„Claire, hör mir zu!“, flüsterte Brooke verzweifelt. „Die Polizei ist gerade bei Mama! Mama hat sich im Badezimmer eingeschlossen und weigert sich, rauszukommen, und Eric sitzt draußen auf dem Bordstein und trinkt Wodka direkt aus der Flasche! Die Bank hat gerade mein Geschäftskonto für meine Boutique gesperrt! Sie sagten, Erics Name stünde als Mitunterzeichner in meinem Gewerbemietvertrag!“
„Das war er“, sagte ich. „Und da sein Vermögen aufgrund eines Bundesverdachts eingefroren ist, werden alle damit verbundenen Geschäftskonten automatisch bis zum Abschluss der Ermittlungen beschlagnahmt.“
„Am Montag kommt Ware im Wert von 50.000 Dollar an!“, jammerte Brooke. „Wenn ich die Frachtkosten nicht bezahlen kann, ist die Boutique pleite! Claire, bitte! Du bist doch für die Prüfung zuständig! Du kannst die GmbH meiner Boutique von Erics Namen trennen! Du hast die Befugnis, dem Vorstand zu bestätigen, dass mein Konto in Ordnung ist!“
„Warum sollte ich das tun?“, fragte ich gelassen.
“Because… because I can give you the rest of Eric’s stash!” she blurted out.
I put down my wine glass. “Speak.”
“Eric has a second safe deposit box at First Horizon Bank on Elm Street,” Brooke blurted out, betraying her brother without hesitation. “He thinks no one knows about it, but last summer he had me hold the spare key because he thought Diane was spying on him. It contains bearer documents, two fake passports, and almost $300,000 in cash. He’s planning to escape, Claire! If he gets his hands on the key, he’ll dodge the grand jury and flee to Mexico!”
I leaned back in the soft velvet armchair. The Sterling family’s arrogance was surpassed only by their utter disloyalty. As soon as the ship began to sink, the rats started tearing each other’s throats out.
“Where’s the key, Brooke?”
“I’ll bring it to you right away!” she cried. “Just promise me you’ll empty my boutique! Please, Claire!”
“Bring the key to the lobby of the St. Regis in thirty minutes,” I said. “And Brooke?”
“Yes?!”