Alexander nahm ihre Hand.

„Du musst das nicht allein lösen.“

„Das weiß ich jetzt.“

Er zögerte.

„Merritt, es gibt noch etwas. Richard könnte mit dem Unfall in Verbindung stehen. Wir wissen nicht, ob er selbst die Tat geplant hat, aber die Hinweise sind ernst.“

Merritt blickte zum Fenster.

„Ich glaube nicht, dass er mich persönlich hasst.“

„Warum sollte er dann beteiligt sein?“

„Vielleicht ging es ihm nie um mich.“

Sie sah Alexander an.

„Vielleicht ging es ihm darum, dass ich etwas gefunden hatte, das seine Geschäfte zerstören könnte.“

Alexander dachte an die Überweisungen, den Umschlag in der Tiefgarage und die Nachricht, in der Sloane geschrieben hatte, Richard werde sich darum kümmern.

„Und Sloane?“

Merritt atmete langsam aus.

„Sloane hasst mich. Aber ich glaube, sie hatte auch Angst. Sie wollte dich heiraten, weil sie glaubte, dass sie dadurch Teil deiner Familie werden würde. Vielleicht hat Richard ihr versprochen, dass sie alles bekommen würde, was sie wollte, wenn sie ihm half.“

„Sie hat versucht, dich zu töten.“

„Das macht es nicht weniger schlimm.“

Merritt wandte sich ihm zu.

„Alex, ich will nicht, dass du ihre Tat entschuldigst. Ich will nur verstehen, warum Menschen so weit gehen, wenn sie Angst davor haben, etwas zu verlieren.“

Alexander sah sie an.

„Vielleicht, weil sie nie gelernt haben, dass man etwas verlieren kann, ohne alles zu zerstören.“

Merritt lächelte traurig.

Dann zog sie einen gefalteten Brief aus dem Notizbuch.

„Den habe ich vor dem Unfall geschrieben.“

Alexander nahm ihn.

Sein Name stand auf dem Umschlag.

„Warum hast du ihn nicht abgeschickt?“

„Weil ich dachte, ich könnte es dir persönlich sagen.“

Er öffnete den Brief vorsichtig.

Darin stand:

Alex, ich liebe dich. Aber ich kann nicht mit einem Menschen zusammenleben, wenn ich das Gefühl habe, dass unsere Liebe von Dingen abhängt, die andere Menschen hinter verschlossenen Türen entscheiden.

Ich weiß, dass deine Familie kompliziert ist. Ich weiß, dass Richard dir viel bedeutet. Aber wenn du eines Tages zwischen mir und einer Wahrheit wählen musst, die deine Familie erschüttert, dann wünsche ich mir, dass du nicht mich wählst, weil du mich liebst. Ich wünsche mir, dass du die Wahrheit wählst, weil du weißt, dass sie richtig ist.

Ich möchte nicht die Frau sein, die dich von deiner Familie trennt. Ich möchte die Frau sein, mit der du eine Zukunft aufbauen kannst, in der niemand Angst haben muss, die falschen Fragen zu stellen.

Alexander konnte nicht weiterlesen.

Er faltete den Brief zusammen und hielt ihn an seine Brust.

„Du hättest mir das sagen sollen.“

„Ich weiß.“

„Und ich hätte dir früher zuhören sollen.“

Merritt drückte seine Hand.

„Dann lass uns jetzt damit anfangen.“

Alexander beugte sich zu ihr und küsste sie sanft.

Zum ersten Mal seit dem Sturz fühlte sich die Zukunft nicht mehr wie ein dunkler Korridor an.

Sie war noch immer ungewiss.

Aber sie gehörte ihnen.

Und irgendwo in den Unterlagen eines kleinen Notizbuchs lag der Schlüssel, der zeigen konnte, warum Richard Sterling bereit gewesen war, so weit zu gehen.

Am selben Abend wurde Sloane Whitmore in einem Vernehmungsraum der Münchner Polizei befragt.

Sie hatte einen Anwalt verlangt, eine Aussage zunächst verweigert und mehrfach darauf bestanden, dass sie Merritt nur habe aufhalten wollen.

Doch die Aufnahmen aus der Villa waren eindeutig.

Mehrere Gäste hatten gesehen, wie sie Merritt mit beiden Händen stieß. Zwei weitere Zeugen bestätigten, dass sie kurz vor dem Sturz eine Drohung ausgesprochen hatte.

Sloane saß mit verschränkten Armen am Tisch.

„Ich wollte sie nicht verletzen“, sagte sie schließlich.

Der Ermittler vor ihr blieb ruhig.

„Sie haben sie mit beiden Händen gestoßen.“

„Sie hat mich provoziert.“

„Wie?“

Sloane öffnete den Mund.

Dann schloss sie ihn wieder.

„Sie hat mir alles genommen.“

„Was genau?“

„Alexander.“

Der Ermittler schrieb etwas auf.

„Herr Sterling hatte Ihre Verlobung drei Jahre zuvor beendet.“

„Weil sie ihn gegen mich aufgebracht hat.“

„Merritt Collins kannte Herrn Sterling damals noch nicht.“

Sloane schwieg.

Der Ermittler legte ein Foto auf den Tisch. Es zeigte sie und Richard in der Tiefgarage.

„Warum haben Sie sich am Abend vor dem Unfall mit Richard Sterling getroffen?“

Sloane blickte auf das Bild.

Ihr Gesicht wurde blass.

„Ich kannte ihn. Wir hatten geschäftliche Kontakte.“

„Er hat Ihnen einen Umschlag übergeben.“

„Ich weiß nicht, was Sie meinen.“

„Wir haben außerdem Nachrichten gefunden, in denen Sie schreiben, dass Richard sich um Merritt kümmern werde.“

Sloane presste die Lippen zusammen.

„Er sagte, er würde dafür sorgen, dass sie aufhört, Fragen zu stellen.“

„Welche Fragen?“

„Fragen über die Stiftung.“

„Welche Rolle spielten Sie dabei?“

Sloane starrte auf den Tisch.

Für mehrere Sekunden hörte man nur das Summen der Beleuchtung.

Dann begann sie zu sprechen.

„Richard sagte mir, dass Merritt Unterlagen gefunden hatte, die nicht für sie bestimmt waren. Er erklärte, dass es sich um alte Buchungsprobleme handelte, die niemanden etwas angingen. Er sagte, wenn diese Informationen öffentlich würden, würden Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren und Alexander würde das Unternehmen verlieren, das seine Eltern aufgebaut hatten.“

„Und Sie glaubten ihm?“

„Ich wollte ihm glauben.“

„Warum?“

Sloane hob den Kopf.

„Weil ich nach der Trennung von Alexander alles verloren hatte. Die Hochzeit war abgesagt. Meine Familie wollte nicht mehr mit mir sprechen. Ich hatte Schulden. Richard versprach mir, dass ich wieder in die Gesellschaft zurückkehren könnte. Er sagte, wenn ich ihm helfe, würde er mich unterstützen.“

„Was bedeutete das?“

Sloane atmete zittrig aus.

„Er wollte, dass ich Merritt einschüchtere. Ich sollte ihr zeigen, dass sie sich mit mächtigen Menschen anlegte.“

„Und der Unfall?“

„Er sagte, sie würde verstehen, dass sie sich zurückziehen müsse.“

Der Ermittler lehnte sich zurück.

„Sie haben also einen Wagen gefahren, der Merritts Fahrzeug von der Straße gedrängt hat.“

Sloane schüttelte heftig den Kopf.

„Ich wollte sie nicht töten.“

„Sie haben ihr Fahrzeug abgedrängt.“

„Ich dachte, sie würde bremsen!“

„Und als sie die Kontrolle verlor?“

Sloane begann zu weinen.

„Ich bekam Angst. Ich bin weitergefahren.“

„Haben Sie danach mit Richard gesprochen?“

Sie nickte.

„Er sagte, ich solle schweigen. Er würde sich um alles kümmern. Er sagte, die Polizei würde nichts finden.“

„Und warum sind Sie heute Abend in die Sterling-Villa gekommen?“