Victor drehte sich zu ihr um. Er hatte seinen Mantel nicht angezogen; er stand im eisigen Regenguss, nur mit seiner anthrazitfarbenen Weste und seinem weißen Hemd bekleidet, die Ärmel hochgekrempelt, sodass seine dicken, sehnigen Unterarme sichtbar wurden, die von alten, verblassten Messerstichen übersät waren.

Er machte drei langsame, bedächtige Schritte auf sie zu, seine schwarzen Lederschuhe platschten durch das rötlich schimmernde Wasser auf dem Bürgersteig.

Er blieb etwa einen halben Meter entfernt stehen. Er streckte die Hand aus, seine bloßen Finger umfassten sanft ihre durchnässte Kinnpartie.

Vielleicht gefällt es Ihnen

Seine Berührung war warm. Unvorstellbar warm.

„Ich hab’s dir doch gesagt“, murmelte Victor und strich ihr mit herzzerreißender Zärtlichkeit eine nasse, dunkle Haarsträhne von der Wange. „Du blutest für niemanden sonst.“

Aliyahs Knie gaben nach.

Das Adrenalin, das sie aufrecht gehalten hatte, verflog mit einem Schlag, und ihre Glieder fühlten sich wie Bleigewichte an. Sie begann, die nasse Backsteinmauer hinunterzurutschen, ihr Mantel schrammte über den rauen Mörtel, doch Victor fing sie auf, bevor sie den Boden berühren konnte.

Seine Arme umfassten ihre Knie und lagen hinter ihren Schultern, er hob sie an seine Brust, als ob sie überhaupt kein Gewicht hätte.

„Lass mich runter!“, keuchte sie und klammerte sich instinktiv an sein nasses Hemd, um das Gleichgewicht zu halten. Ihre Finger streiften die steifen, muskulösen Konturen seiner Brust und spürten das beängstigende, langsame Pochen seines Herzschlags. „Da liegen zwei Tote in der Gasse! Du … du hast gerade zwei Menschen getötet!“

„Ich habe zwei tollwütige Tiere eliminiert“, antwortete Victor ruhig und trat aus der Gasse auf den leeren Bürgersteig.

Ein eleganter schwarzer Mercedes-Maybach hielt lautlos am Bordstein, seine getönten Scheiben spiegelten den glitzernden Asphalt. Lev hielt die hintere Tür offen, sein vernarbtes Gesicht völlig ungerührt vom Anblick seines Chefs, der eine tropfnasse Kellnerin im Arm trug.

„Steig ein“, befahl Victor leise und beugte sich vor, um sie auf den beheizten Ledersitz zu schieben.

„Nein! Ich gehe nach Hause!“, rief Aliyah und versuchte, sich zur Tür zurückzudrängen, doch Victor schlüpfte neben sie in die Kabine und schloss die schwere Panzertür mit einem dumpfen, luftdichten Geräusch. Die Schlösser rasteten mit einem leisen Klicken ein.

Der Wagen glitt in den Bostoner Verkehr, noch bevor Aliyah nach dem Türgriff greifen konnte.

„Sie haben heute Abend kein Zuhause, in das Sie zurückkehren können, Miss Brooks“, sagte Victor, zog eine trockene Kaschmirdecke aus einem Fach in der Mittelkonsole und legte sie ihr über die zitternden Schultern.

„Wovon redest du?“, fragte sie entrüstet und umklammerte die Decke um ihren Hals. Ihre haselnussbraunen Augen blitzten vor Wut und Panik. „Ich wohne in der Tremont Street! Mein Bruder wartet auf mich!“

Victor zuckte bei ihrer erhobenen Stimme nicht zusammen. Er schraubte eine Kristallflasche ab, goss zwei Fingerbreit bernsteinfarbene Flüssigkeit in ein Glas und drückte es ihr in die gesunde Hand. „Trink.“

„Ich will euren Alkohol nicht! Ich will Antworten!“

„Dein Bruder, Leo Brooks“, sagte Victor ruhig und stützte sein Kinn auf seine verschränkten Finger. „Sechzehn Jahre alt. Vor vierzehn Monaten wurde bei ihm aplastische Anämie diagnostiziert. Er erhält zweimal wöchentlich im Boston Children’s Hospital eine immunsuppressive Therapie, die vollständig durch deine zwei Jobs finanziert wird, neben denen du an der Krankenpflegeschule der Northeastern University einen Notendurchschnitt von 3,9 hältst.“

Aliyah stockte der Atem, als hätte man sie mit einem Baseballschläger getroffen.

The heated leather seat suddenly felt freezing beneath her thighs. She stared at him, the amber glass trembling violently in her fingers.

“You investigated me,” she whispered, her voice cracking. “Between the pub and the alley? How could you possibly know all of that?”

“I have known who you are for three weeks, Aliyah,” Victor answered quietly.

His gaze dropped to the linen handkerchief still binding her right hand. The blue E was dark with dried blood, resting against her knee.

“My intelligence network monitors every individual who enters my regular establishments,” Victor continued, his pale gray eyes locking onto hers with an intensity that made her pulse flutter frantically. “When you took over table nine three weeks ago, my men ran your background. They found an exhausted girl who studies pathology flashcards behind the bar, steals leftover bread from the kitchen to feed her brother, and refuses tips larger than twenty dollars because she considers them charity.”

Aliyah’s cheeks burned with a sudden, humiliating heat. “I don’t need your pity, Mr. Malenkov.”

“I do not offer pity,” he said, his tone dropping into a low, gravelly register that raised the hairs on her arms. “Pity is an insult to survival. I respect strength. And you have carried a burden meant for three grown men without breaking.”

He reached across the space between them. His fingers were long, sculpted, and unhurried as he touched the edge of the blanket around her shoulders.

“The men in the alley were scouts for Connor O’Sullivan,” Victor said, the cold kingpin returning to his voice. “They saw you fall into my arms. They saw me clear the tavern for you. In our world, weakness is measured by what a man protects. Tonight, Connor O’Sullivan believes he found my throat.”

Aliyah shook her head, terrified by the sheer scale of the nightmare unfolding around her. “I am not your weakness! I am a stranger who spilled soup on your lap!”

“To them, you are leverage,” Victor countered ruthlessly. “If you step foot inside your apartment on Tremont Street tonight, you will find four men waiting to drag you to a warehouse in South Boston. They will carve the names of my shipping routes into your skin to make me negotiate.”