Die Tore des Anwesens Malenkov ragten wie die eisernen Zähne einer mittelalterlichen Festung empor, tief eingebettet in die bewaldeten Hügel des Chestnut Hill.
Hohe Steinmauern, bekrönt mit dezentem Stacheldraht, schotteten die Außenwelt ab. Jahrhundertalte Eichen säumten die private Zufahrt, deren kahle Äste eiskaltes Wasser auf die Motorhaube des Maybachs tropften, als dieser auf ein weitläufiges Herrenhaus aus Backstein und Kalkstein zusteuerte, das eher einer gotischen Botschaft als einem Privathaus glich.
Scheinwerfer blitzten von den Wachtürmen am Rand des Geländes auf und erfassten das Fahrzeug, bevor sie beim Öffnen der Tore erloschen. Bewaffnete Männer in dunklen Mänteln standen in Abständen von fünfzig Metern postiert, ihre Maschinenpistolen unauffällig über der Brust.
Der Wagen hielt vor einem prächtigen Säulengang aus Kalkstein.
Lev stellte den Motor ab und eilte zur Tür, doch Victor war bereits in Bewegung. Er trat in den Nieselregen, griff in die Kabine und nahm Aliyahs Hand, um ihr auf die trockenen Steinplatten unter dem Torbogen zu helfen.
Aliyah zögerte auf der Schwelle. Ihre Leinenschuhe quietschten auf dem polierten schwarzen Granit des großen Foyers.
Das Innere war prachtvoll, aber erdrückend kalt.
Eine doppelt geschwungene Treppe aus dunkler Eiche führte zu einer gewölbten Decke, die von einem antiken Kristalllüster gekrönt wurde. Ölgemälde von Seestürmen und russischen Landschaften hingen an den holzgetäfelten Wänden. Es gab keine Fotografien. Keine Blumen. Keine persönlichen Gegenstände, die darauf hindeuteten, dass hier tatsächlich ein Mensch gelebt hatte.
Es war ein Museum, das der Isolation gewidmet war.
Eine ältere Frau mit silbernem, streng zu einem Dutt gebundenem Haar trat aus dem Bibliotheksflur. In einem eleganten, anthrazitfarbenen Wollkleid senkte sie ehrfürchtig den Kopf.
„Willkommen zu Hause, Don Victor“, sagte die Haushälterin in perfektem Russisch, bevor sie fließend ins Englische wechselte und ihren Blick zu Aliyah richtete. „Die Master-Suite im Ostflügel ist wie gewünscht vorbereitet.“
„Danke, Irina“, sagte Victor, zog seinen feuchten Mantel aus und reichte ihn Lev. „Bitte lassen Sie Dr. Markov sofort ins Arbeitszimmer kommen. Miss Brooks benötigt ärztliche Hilfe.“
„Ich hab’s dir doch gesagt, ich brauche keinen Arzt“, protestierte Aliyah und trat vor, obwohl sie sich in der Pracht des Raumes in ihren ausgefransten Jeans und abgetragenen Turnschuhen winzig klein fühlte. „Ich brauche nur sauberes Wasser, Desinfektionsmittel und drei Wundpflaster.“
Victor blieb stehen und drehte sich zu ihr um. Seine Krawatte war gelockert, der Kragen seines weißen Hemdes leicht geöffnet, was ihm eine Aura gefährlicher, gelassener Macht verlieh.
“You are a guest beneath my roof, Miss Brooks,” Victor said, his tone brook-no-argument. “In this house, my guests do not stitch their own wounds with sewing kit thread. You will allow Markov to examine your hand. Then you will eat.”
“And then?” she challenged, tilting her chin up to meet his glacial stare. “Do I get to leave? Or am I your prisoner now?”
A faint, dangerous flicker crossed Victor’s eyes. He took two slow steps toward her, closing the space until she had to tilt her head back to hold his gaze.
“If you walk out those gates tonight, Aliyah, you will be dead before sunrise,” he murmured, his voice dropping into that hypnotic, lethal register. “Connor O’Sullivan has four hit squads scouring Boston for the girl with the dark braid who was seen at the Red Lion. My home is the only square mile in Massachusetts where you are untouchable.”
“So you’re keeping me safe by trapping me in a cage?”
“A cage keeps things inside,” Victor whispered, his hand rising to trace the soft curve of her collarbone above her sweater, his fingers sending a jolt of heat through her veins that made her breath hitch. “A fortress keeps the monsters out. Learn the difference.”
He turned to the housekeeper. “Take her to the guest suite. Provide her with whatever she requests.”
Without waiting for her reply, Victor marched down the long corridor toward his study, his leather shoes clicking with military precision against the parquet floor.
Irina led Aliyah up the sweeping staircase to the east wing.
The suite prepared for her was larger than the entire second floor of her family’s old house in Somerville. A king-sized bed draped in heavy ivory linen stood before a carved marble fireplace where dry oak logs already crackled with warm, radiant heat. Through an arched doorway, an en-suite bathroom gleamed with white Carrera marble, a deep clawfoot tub steaming with fragrant pine oils.
On the mahogany vanity sat a fresh set of clothes: a soft cream cashmere sweater, tailored black trousers, and a pair of Italian leather slippers.
Within ten minutes, a quiet knock sounded at the door.