Frank reichte Marco eine hochintensive taktische Taschenlampe. Marco richtete den weißen Lichtstrahl die schmale Steintreppe hinunter.
„Bleib hier, Lily“, sagte Marco leise.
„Nein“, sagte Lily, bevor sie sich beherrschen konnte.
Marco hielt inne und drehte den Kopf, um sie anzusehen.
Lily errötete unter seinem Blick, wandte den Blick aber nicht ab. „Serena hat Dominic vor drei Tagen eine Liste mit Seriennummern gegeben. Sie hatte eine Liste aus dem Familienarchiv von Richard Hale. Falls Sie die Geschäftsbücher des Hale-Syndikats suchen: Ich habe mir die Referenzcodes gemerkt, als sie mich zwang, deren vertrauliche Prüfprotokolle einzuscannen.“
Marco musterte ihr Gesicht drei lange Augenblicke lang. Ein langsamer, gefährlicher Respekt flackerte in seinen Augen auf.
„Komm mit mir“, sagte Marco.
Marco stieg als Erster hinab und prüfte jede einzelne Steinstufe. Lily folgte ihm, ihre Hand strich über die kalten, feuchten Steinmauern. Frank blieb mit Maria oben und bewachte die Schwelle.
Der Keller unter dem Restaurant war klein, nicht größer als ein acht mal acht Fuß großer Raum, der in den Felsuntergrund von Brooklyn gehauen war. Die Luft war kalt und roch nach uralter Erde und nassem Eisen.
In der Mitte des Lehmbodens stand kein Tresor, sondern ein altes, schweres Olivenölfass, das mit industriellen Schweißnähten verschlossen war.
Marco kniete davor. Neben der Trommel lagen ein Winkelschleifer und ein alter Acetylenbrenner, den Antonio vor Jahrzehnten dort zurückgelassen hatte.
„Er hat das Papier nicht in einem Umschlag vergraben“, sagte Marco und leuchtete mit der Lampe auf die Schweißnaht des Fasses. „Er hat es in Stickstoff eingeschmolzen.“
Lily kniete neben Marco, und die Nähe ließ ihr Herz unregelmäßig pochen. Sie konnte den frischen Zitrusduft seines Parfums riechen, vermischt mit der metallischen Kälte des Kellers.
„Der Code, nach dem Serena gesucht hat“, sagte Lily mit flüsternder Stimme. „Er lautete H-76-Comptroller. Hales Großvater benutzte eine kommunale Registrierungsnummer, um die Schmiergelder zu verbergen.“
Marco betrachtete die Trommel. Auf dem Eisenrand war eine gestempelte Seriennummer eingeprägt: **H-76-C**.
Marco stieß ein kaltes, humorloses Lachen aus. „Mein Vater führte nicht nur Buchhaltung. Er bewahrte auch die Original-Kassenschecks auf. Die, mit denen Richard Hales Großvater die Piers am Wasser von der Mafia kaufte.“
Marco wandte sich Lily zu. In der Enge des Kellers waren ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt.
„Lily“, sagte Marco mit heiserer Stimme. „Ist dir eigentlich klar, was du mir heute Abend anvertraut hast?“
„Ich … ich habe Ihnen die Sicherheit Ihrer Familie anvertraut?“, fragte sie zögernd.
„Sie haben mir den Hinrichtungsbefehl für das gesamte Whitmore-Hale-Syndikat übergeben“, sagte Marco. Seine Hand streckte sich aus, sein Daumen strich sanft über ihren Wangenknochen und wischte ein Staubkorn aus dem Keller weg. „Und Sie haben dabei Ihr Leben riskiert.“
Lily stockte der Atem bei seiner Berührung. Marcos Augen waren wild, besitzergreifend und völlig ungeschützt.
Plötzlich hallte Franks Stimme von der Spitze der Steintreppe herab, angespannt vor Alarm:
„Chef! Wir haben Besuch vor dem Haus! Drei schwarze Geländewagen haben gerade die Gasse blockiert!“
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