Above us, heavy footsteps pounded against the kitchen floor.

“They’re in the cellar!” Vanessa’s voice echoed down the stairwell.

Ich habe endlich den verrosteten Eisenschlüssel gefunden. Ich schob ihn in die schwere Metalltür am hinteren Ende der Weinregale und drehte mich um. Das Schloss klickte.

Wir warfen uns in den dunklen Erdtunnel, gerade als Kugeln die teuren Weinflaschen hinter uns zerschmetterten.

Luca schlug die Eisentür zu und warf den schweren Riegel.

Wir standen in stockschwarzer Dunkelheit und atmeten schwer. Der Geruch von feuchter Erde und alten Ziegeln erfüllte meine Lungen.

Teresa sackte gegen die Erdwand. “Wohin führt dieser Tunnel?”

“Zum alten Kutschenhaus”, sagte Luca und zog eine kleine Taschenlampe aus seiner Tasche. Er schaltete es ein und warf einen blassen Strahl den endlosen, furchterregenden Korridor hinunter. “Von dort nehmen wir ein Auto und verschwinden.”

Er blickte auf seine Mutter hinab. Dann sah er mich an.

“Danke, Hannah”, sagte er leise.

Ich nickte und griff nach dem Schlüsselanhänger.

Doch als der Taschenlampenstrahl über den Erdboden fegte, rutschte mir der Magen völlig in die Hose.

In der Mitte des Tunnels, bedeckt mit einer dünnen Staubschicht, lag ein roter Samtschuh für ein Kind.

Teresa hat es auch gesehen. Sie stieß ein entsetzliches, ersticktes Keuchen aus.

“Luca”, flüsterte Teresa und zeigte mit zitterndem Finger auf den winzigen Schuh. “Sie hat mir gesagt, sie hätte sie begraben.”

TITEL: DER SAMTSCHUH IM TUNNEL

Kapitel 4 – DER SAMTSCHUH IM TUNNEL

Der blasse Strahl der Taschenlampe zitterte in Lucas Hand und erhellte den kleinen roten Samtschuh.

Die Stille im Erdtunnel war erdrückend. Ich starrte auf das winzige Objekt, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Ich war elf Monate im Moretti-Haus. Ich kannte jeden Raum, jedes Foto, jedes Geheimnis, über das das Personal flüsterte.

Aber ich hatte nie etwas von einem Kind gehört.

“Mama”, sagte Luca, seine Stimme völlig emotionslos. “Wessen Schuh ist das?”

Teresa zitterte heftig und klammerte sich an den Kragen ihrer Strickjacke, als würde sie erfrieren. Sie lehnte ihren Rücken gegen die feuchte Backsteinwand, unfähig, den Blick vom Samtstoff abzuwenden.

“Es ist Isabellas”, flüsterte Teresa, der Name riss sich wie Stacheldraht aus ihrer Kehle.

Luca erstarrte. “Isabella ist bei der Geburt gestorben, Mama. Vor zwanzig Jahren.”

“Sie ist nicht gestorben”, schluchzte Teresa und rutschte langsam die Wand hinunter, bis sie auf dem Erdboden saß. “Dein Vater… Er sagte mir, sie sei gestorben. Aber ich habe sie schreien hören, Luca. Ich schwöre bei Gott, ich habe mein Baby weinen hören, bevor sie sie aus dem Kreißsaal geholt haben.”

Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Lucas jüngere Schwester. Der, über den die Familie nie gesprochen hat.

“Warum sollte Dad ihren Tod vortäuschen?” fragte Luca und ging neben seine Mutter auf die Knie. Die erschreckende Realität der Nacht entwickelte sich rasch zu etwas viel Dunklererem als einem einfachen Erbstreit.

“Weil sie nicht perfekt war”, weinte Teresa und vergrub ihr Gesicht in den Händen. “Dein Vater wollte ein Imperium. Als die Ärzte ihm sagten, dass Isabella mit einem schweren Rückenmarksdefekt geboren wurde… dass sie niemals laufen würde… Er sagte, sie sei eine Schwäche, die sich die Familie nicht leisten könne.”

Luca sah aus, als wäre er körperlich getroffen worden. Der Mafiaboss, der Mann, der die Hälfte der Stadt kontrollierte, zerfiel in einem Erdtunnel unter seinem eigenen Haus.

“Er hat sie weggegeben?” fragte Luca.

“Er hat sie Vanessas Vater gegeben”, gestand Teresa, ihre Stimme brach. “Um sich in einer ihrer privaten medizinischen Einrichtungen zu verstecken. Deshalb hat Vanessa so viel Macht über Michael. Ihre Familie hält den wahren Moretti-Erben seit zwanzig Jahren als Geisel.”

Mein Magen drehte sich um. Die “schöne Privatresidenz”, in die Vanessa Teresa zu schicken gedroht hatte, war kein Pflegeheim. Es war dieselbe versteckte Einrichtung, in der sie ihre behinderte Tochter eingesperrt hatten.

Und Michael wusste es.

“Deshalb hilft Michael ihr”, hauchte Luca, die Erkenntnis dämmerte in seinen Augen. “Wenn ich sterbe und der Vorstand herausfindet, dass ein überlebendes Kind existiert… Vanessa kontrolliert das Kind. Sie kontrolliert das gesamte Syndikat.”

Plötzlich bebte die schwere Eisentür hinter uns heftig.

BOOM.

Staub regnete von der Backsteindecke. Sie schlugen mit einem Vorschlaghammer auf die Tür.

“Sie brechen durch”, geriet ich in Panik und packte Teresas Arm. “Wir müssen los!”

Luca schnappte sich den winzigen roten Samtschuh und steckte ihn in seine Tasche. Er zog seine Mutter auf die Füße. “Kannst du laufen, Mama?”

“Ich muss”, sagte Teresa entschlossen. Die gebrechliche, verängstigte alte Frau aus dem Speisesaal war verschwunden. Sie war eine Mutter, die gerade erkannt hatte, dass ihre gestohlene Tochter vielleicht noch lebte.

We ran.

The tunnel was damp and uneven. I held Teresa’s hand, guiding her over exposed roots and crumbling bricks. The sound of the sledgehammer hitting the iron door faded behind us, replaced by the terrifying echo of our own breathing.

After what felt like miles, the tunnel began to incline. We hit a dead end: a heavy wooden trapdoor set into the ceiling.

Luca pushed his weight against it. It creaked, then gave way, swinging upward into the dark.

We climbed out into the old carriage house. It smelled of motor oil and dust. Sitting in the center of the concrete floor, hidden under a canvas tarp, was a vintage black Mustang.

“Get in,” Luca ordered, tossing the tarp aside.

I helped Teresa into the back seat and climbed in beside her. Luca jumped into the driver’s seat. He didn’t need keys; he reached under the dashboard and hot-wired the ignition in seconds. The engine roared to life with a deafening growl.

Luca hit the garage door opener on the wall. As the wooden doors rolled up, he slammed on the gas.

We tore out of the carriage house, fishtailing onto the wet gravel driveway behind the estate.

“Where are we going?” I yelled over the engine.

“To find my sister,” Luca said, his eyes burning in the rearview mirror. “Vanessa’s family owns a private clinic in the North Suburbs. If Isabella is alive, she’s there.”

He cranked the steering wheel, rocketing the Mustang through the back service gates and onto the deserted highway.